Alle unter Gesellschaft verschlagworteten Beiträge

Karan Mahajan: In Gesellschaft kleiner Bomben

Shockie kämpft für die „Jammu und Kashmir Islamic Force“ und ist auf dem Weg nach Delhi, um dort auf einem Markt eine Bombe zu zünden. Es wird eine der sogenannten kleinen Bomben sein, eine Bombe, mit nur relativ wenigen Toten und Verletzten, über deren Zerstörung nur in den regionalen Medien berichtet werden wird. Eine Bombe aus dem Material, das er jeweils vor Ort kauft, sodass er keine Spuren hinterlässt, die die Polizei zurückverfolgen könnte. Eine kleine Bombe, die nicht mehr bewirkt als einen Nadelstich, aber immerhin einer, der so viel Öffentlichkeit schafft, dass wieder einmal auf die Zustände in Kaschmir hingewiesen werden kann, wo die indische Verwaltung in aller – ungerechten – Härte gegen die muslimische Bevölkerung vorgeht. Und Shockie denkt, während er am Bahnhof von Delhi den Schmutz und Dreck betrachtet und die vielen Menschen, „dass der Verlust einiger kaum tragisch oder gar wichtig wäre.“ Karan Mahajan setzt die Geschichten der Figuren in seinem Roman, der Opfer wie auch der Täter, dieser zynischen Haltung des Attentäters gegenüber. Denn natürlich ist der Tod eines Familienmitglieds …

Uwe Johnson: Mutmassungen über Jakob

Es braucht nur ein paar Sätze und schon ist er wieder ganz präsent, dieser so typische Klang der Johnson-Sprache. Eine Sprache, die Worte nutzt, denen Johnson auch unübliche Bedeutungen abringt, die immer wieder diesen ungewöhnlichen Satzbau hat, der ganz eigene Rhythmen entwickelt, einen eigenen Sog entfaltet für diejenigen Leser, die sich davon packen lassen. Eine Sprache, die Blicke freigibt auf scheinbar unwichtige Details und dadurch soviel zur Atmosphäre beiträgt und soviel auch über die Charaktere verrät. Und die Werkausgabe Johnsons, die in diesem Frühjahr mit dem ersten Band, den „Mutmassungen über Jakob“ gestartet ist, hat den Anstoß gegeben, Johnson wieder zu lesen und diesen ganz speziellen Kosmos wieder zu entdecken, der seine Werke ausmacht. Es gilt beim Lesen immer wieder zu bedenken: „Mutmassungen über Jakob“, die Geschichte um Jakob Abs, Dispatcher bei der Reichsbahn der DDR, die im Jahr 1956 angesiedelt ist – die Widerstände in Ungarn und ihr Ende durch den Einmarsch sowjetischer Truppen bilden den politischen Rahmen – ist tatsächlich der Debütroman Uwe Johnsons. Und entfaltet schon alles, was auch die späteren Romane …

Ernst-Wilhelm Händler: München. Gesellschaftsroman

Als Gesellschaftsroman bezeichnet Ernst-Wilhelm Händler seinen Roman im Untertitel und erzeugt damit ganz konkrete Erwartungen bei seinen Lesern: Eine Großstadt mit ihren verschiedenen Bewohnern und ihren gesellschaftlichen Verwerfungen gerate hier unter das Brennglas des Autors, so meint der Leser, wie in Alfred Döblins „Berlin Alexanderplatz“, wie in John Lancasters „Kapital“. Nach Berlin und London nun also München, so der Romantitel. Damit hat Händler schon einmal eine falsche Spur ausgelegt, denn in seinem Roman werden weder gesellschaftliche Unterschiede ausgelotet noch komplexe Handlungsstränge verschiedener Figuren kunstvoll ineinander verwoben. In München spielt der Roman und zeigt viel Lokalkolorit, aber er spielt nur in einer Gesellschaft, der besseren nämlich. Alle Figuren sind auf sehr viel Geld recht weich gebettet, gehen in den angesagten Münchner Shops großzügig einkaufen und zeigen mit den angesagten Modemarken, wer sie sind. Sie verkehren auf Partys von RTL-Größen, an den Kulturplätzen der Stadt oder auch beim Charity-Dinner auf Schloss Herrenchiemsee, wenn dort Prinz Franz seinen achtzigsten Geburtstag in angemessener Kulisse begeht. [Zum Weiterlesen hier entlang]

Heinz Bude: Gesellschaft der Angst

Sie wird gerade wieder kräftig bespielt, die Klaviatur der Angst. Mit jeder neuen Gewalttat werden nahezu reflexhaft und manchmal so schnell, dass noch gar keine gesicherten Informationen vorliegen, Beschuldigungen in verschiedene Richtungen laut, es werden Ausgrenzungen und Abgrenzungen vorgenommen, es wird konsequent vereinfacht und es werden einfachste Lösungen feilgeboten: die Angst vor „den Anderen“ wird ganz gezielt geschürt, es entsteht eine mehr und mehr aufgeheizte, hysterische Atmosphäre, die vor allem eines ist, nämlich politisches Kalkül. Heinz Bude, der an der Universität Kassel Soziologie lehrt, hat sich in diesem 2014 erschienen Band nicht nur mit dieser „Angst vor den Anderen“– und auch der „Angst der Anderen“ – auseinandergesetzt, sondern geht weiteren soziologischen Facetten der zahlreichen Ängste nach, die die Menschen unserer Gesellschaft umtreiben, je nachdem, in welcher Situation und in welcher gesellschaftlichen Schicht sie sich befinden. Bude belässt es nicht bei dieser Darstellung, sondern setzt sich auch mit den Folgen der Ängste für die Politik auseinander und skizziert Lösungsansätze, die gerade auch mit Blick auf die lauten populistischen Äußerungen unserer Tage interessant sind. Angst, so stellt …

Tom McCarthy: Satin Island

Ein Anthropologe untersucht das Wesen der menschlichen Existenz, besonders gerne in Gegenden, die möglichst abgelegen, am besten gar abgeschnitten vom Rest der Welt, sind. Meistens reist er in diese Gebiete, lebt mit den Menschen dort wochen- und monatelang zusammen und kommt durch die Methodik der „teilnehmenden Beobachtung“ und unter Wahrung seiner eigenen Distanz zu den beobachteten Menschen zu seinen Erkenntnissen. Er untersucht alles an der Art der Menschen zu leben und bezieht dabei auch die unterschiedlichen kulturellen Kontexte mit ein, die verschiedenen wirtschaftlichen Bedingungen und die differenzierten religiösen oder weltanschaulichen Werte und Normen. So kann er herausfinden und erklären, warum uns die Menschen so „fremd“ sind. Tom McCarthy macht in seinem Roman einen Anthropologen zum Protagonisten. Der aber soll nun nicht die ungewöhnlichen Riten von Menschen an unzugänglichen oder vergessenen Stellen der Welt durch Beobachtung, Systematisierung, Analyse und Interpretation untersuchen, sondern hat den Auftrag bekommen, den Großen Bericht zu schreiben über uns und unsere Art zu leben. Gleich im ersten Kapitel des Romans können wir lernen, wie ein Anthropologe unsere Welt sieht: wie sich reales …

Friederike Gösweiner: Traurige Freiheit

Hannah steht vor einem Scherbenhaufen. So oft sie sich auch als Journalistin bewirbt, sie bekommt keinen Job. Und die Partnerschaft zu Jakob, die Partnerschaft, die sie einst als sicheren Hafen, als Bollwerk gegen die Anfeindungen des Lebens, gesehen hat, hat sich auch in Luft aufgelöst. Nun ist Hannah 30 Jahre und ist an diesem runden Geburtstag alleine in Berlin, ohne Anrufe, ohne Emails, ohne Freunde, ohne große Geburtstagsparty. In dem kleinen Einzimmer-Appartement der Freundin Miriam, die gerade für einen Fernsehsender in Moskau arbeitet, wohnt sie, das wenige Geld, das sie hat, muss sie sorgfältig verwalten. Und dabei haben ihre Eltern ihr vor ein paar Jahren noch gesagt, dass sie es dich gut habe. Dass sie doch zu einer Generation gehöre, die alle Freiheiten habe, „der alle Wege offenstünden. Man könne alles werden, alles sein, hieß es, alles sei möglich, das sei die totale Freiheit.“ Friederike Gösweiner fackelt nicht lange, erzählt gar nicht erst um den heißen Brei. Nach den ersten beiden Kapiteln liegen die beiden Konfliktfelder fein säuberlich ausgebreitet vor dem Leser. „Dann hat es …

Birgit Vanderbeke: Ich freue mich, dass ich geboren bin

Von Not und Elend, vom Unverstanden-Sein und von großer Einsamkeit, von der Normalität der häuslichen Gewalt, vom Innenleben einer bürgerlichen, aufstiegsorientierten Familie der Nachkriegszeit also, erzählt Birgit Vanderbeke in ihrem jüngsten Roman „Wir freuen uns, dass du geboren bist“, singt die Mutter, „Und hast Gebuhurtstag heut“. Weil der Vater nicht mitsingt, sich lieber eine Zigarette ansteckt, wiederholt die Mutter die Strophe mehrmals. Und das Mädchen, die Ich-Erzählerin, die heute sieben Jahre alt wird, weiß doch, während sie dasteht und zuhört, dass nichts an dem Lied stimmt, dass jedes Wort gelogen ist. Die Eltern. Sie sind wohl eher nicht froh, dass das Kind geboren wurde, denn dieses Kind ist der lebende Beweis dafür, dass sie im falschen Leben angekommen sind. Die Mutter ist schon einmal verlobt gewesen, mit dem Gutsbesitzersohn des Ortes, doch der ist im Krieg gefallen. Nach dem Krieg waren die Männer rar und die Mutter, die nun schon fast dreißig war, drohte eine unverheiratete Frau zu werden; im Dorf redete man schon über sie. Dann lernte sie den Vater kennen, einen siebzehnjährigen Schüler. …

Michael Köhlmeier: Das Mädchen mit dem Fingerhut

Der Titel des Romans von Michael Köhlmeier erinnert an das Märchen Hans Christian Andersens „Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern“. Wie im Märchen das Mädchen, so befindet sich auch das wohl sechsjährige Mädchen in Köhlmeiers Roman in einer desolaten Situation: obdachlos, ohne Eltern oder andere Familienmitglieder kämpft sie um das tagtägliche Überleben im frostigen Winter einer mitteleuropäischen Großstadt. Nahrung ist wichtig, ebenso ein warmer Platz zum Ausruhen und Schlafen, manchmal in einem beheizten Eingang, zur Not auch in einer Mülltonne. So überlebt sie, anders als das Mädchen im Märchen, auch eine kalte Winternacht. Nach den „Herren am Strand“, nach Chaplin und Churchill, die sich ihrer Hilfe in den dunklen Momenten der Depression versichern, entführt Köhlmeier seine Leser in diesem Roman in die Welt der Kinder, die gestrandet sind in einer winterlichen Großstadt. Er erzählt die Geschichte aus der Sichtweise der Kinder, meistens aus der des sechsjährigen Mädchens, das sich keines Namens erinnern kann, und sich dann, als sie von den beiden Jungen gefragt wird, Yiza nennt. Die Erzählung bleibt ganz nah bei den Kindern und …

Katharina Winkler: Blauschmuck

Günter Grass sah die große Leistung der Literatur darin, dass sie nicht wegschaue, nicht vergesse, sondern das Schweigen breche. Genau das ist auch die große Leistung Katharina Winklers und ihres Debütromans „Blauschmuck“, dem sie die Anmerkung „Nach einer wahren Begebenheit“ voranstellt. Hier erzählt Winkler die Geschichte von Filiz, die in einem kurdischen Dorf aufwächst, heiratet, später mit ihren Kindern nach Österreich ausreist. Und sie erzählt vor allem von dem Ehe-Martyrium Filiz´, das erst nach Jahren endet, weil die Nachbarn in der neuen Heimat dafür sorgen, dass sie in ein Krankenhaus kommt und dann in einem Frauenhaus leben kann, als Yunus, der Ehemann, sie nicht nur, wie sonst üblich, geschlagen und vergewaltigt, sondern regelrecht zusammengeknüppelt hat. Katharina Winkler findet eine ganz besondere Sprache und eine besondere Erzählhaltung für die Geschichte von Filiz, die die Leser gar nicht ertragen könnten, wäre sie nicht genau so erzählt, wie sie erzählt wird. Winkler lässt Filiz erzählen, als Ich-Erzählerin, die es geschafft hat, sich von sich selbst zu distanzieren, die ihre Umgebung nur beobachtet, die eigenen Handlungen beschreibt und das, …

Barbara Honigmann: Chronik meiner Straße

Vor ein paar Jahren hat Jenny Erpenbeck in ihrem Roman „Heimsuchung“ ein Haus zum Helden ihres Romans gemacht. Indem sie davon erzählt, wer in welchen Zeiten in diesem Haus lebte, welchen Tätigkeiten die Menschen jeweils nachgingen, welche Konflikte sie austrugen, wann sie ein- und auszogen und aus welchen Gründen, welche Besitzerwechsel es gab, hat die Autorin am Beispiel dieses Hauses und ihrer Bewohner nicht nur auf höchst interessante Art deren individuelle Geschichten erzählt, sondern – fast nebenbei – auch die Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert. Barbara Honigmann hat nun ein ähnliches Erzählexperiment gewagt. Sie macht die Straße, in der sie in Straßburg seit dreißig Jahren wohnt, zur Heldin ihres Erzählens. Und indem sie diese dreißig Jahre zurückschaut, bekommen wir einen Eindruck der Veränderungen in dieser Straße, sehen am Beispiel ihrer Bewohner ein Stück gesellschaftlicher Entwicklung, noch dazu in einer Straße, die von ihren Bewohnern als „Straße des Anfangs“ bezeichnet wird. Als Barbara Honigmann mit ihrer Familie 1984 aus der DDR ausgewandert ist, ist sie gleich soweit nach Westen gereist, dass sie in Straßburg angekommen ist. …

Gila Lustiger: Die Schuld der Anderen

Als Gila Lustigers Roman im Januar 2015 erschien, hatte es gerade die Anschläge auf die Redaktion von Charlie Hebdo und den jüdischen Supermarkt in Paris gegeben und der Blick nach Frankreich auf der Suche nach Gründen für diese unglaublichen Taten trieb die Öffentlichkeit um. Möglicherweise hat der genau in jenen Tagen erschienene Roman von Michel Houellebecq alle Aufmerksamkeit auf sich gezogen, zeichnet er doch ein geradezu bizarres Bild nicht nur der politischen, sondern vor allem auch der religiösen Entwicklungen in Frankreich bis in die 2020er Jahre. Das wäre schade, denn der Roman Gila Lustigers Roman setzt sich, wenn auch im Gewand eines Krimis, mindestens genauso mit den Problemen der französischen Gesellschaft, in der die Autorin seit Jahren lebt, auseinander. Sie schaut in ihrem Roman aber nicht in eine so oder so mögliche Zukunft, sondern sucht die Gründe für den Status quo in der Vergangenheit und blickt so zurück in die 1980er Jahre, die für sie wohl den Beginn einer neuen Ära markieren. Mit dem Sieg des sozialistischen Präsidenten Mitterrand begann eine Verstaatlichung wichtiger Unternehmen – …

Ian McEwan: Kindeswohl

Mitten hinein in die Räume der bürgerlichen Gesellschaft, mitten ins Herz des aufgeklärten Rechtsstaates führt Ian McEwans neuer Roman „Kindeswohl“. Und geht dabei der Frage nach, wie Freiheit und Selbstbestimmung in der modernen Gesellschaft gelebt werden können, vor allem, welche Dilemmata an der Grenze zwischen Freiheit und Selbstbestimmung auf der einen und Moral und Religion auf der anderen Seite entstehen können. Damit wendet sich McEwan einem sehr aktuellen Thema zu und setzt sich über seine Figuren, ihre Haltungen, Werte und Wünsche aus verschiedenen Perspektiven mit den Grenzen von Freiheit und Selbstbestimmung auseinander. Fioana Maye ist Richterin am High Court in London. Dort erlebt sie den sich stetig verändernden gesellschaftlichen Diskurs anhand der Fälle, die sie entscheiden muss. Viele dieser Konflikte würde sie gar nicht kennenlernen, wären nicht Kinder involviert. Denn Erwachsene dürfen sich, so ist es Grundlage unserer Gesellschaft im Allgemeinen frei entscheiden. Wenn es sich aber um Kinder handelt, deren Möglichkeiten einer freien Persönlichkeitsentwicklung, somit auch einer Wahl zwischen den unterschiedlichsten Lebensentwürfen, eingeschränkt werden, und oftmals begründen sich diese Einschränkungen aus religiösen Motiven, dann …

Yannick Haenel (2014): Die bleichen Füchse

Als „der fesselndste Roman dieses Herbstes“ wurde Yannick Haenels Geschichte um „Die bleichen Füchse“ in Frankreich im Erscheinungsjahr 2013 angekündigt. Fesselnd ist er tatsächlich, wegen seiner Handlung und auch wegen seiner literarische Gestaltung, seiner Bezüge zur Literatur und Geschichte und der immer wiederkehrenden Motive. Er ist aber, um das Spiel mit den Superlativen fortzuführen: provozierend, verstörend und radikal. Und politisch aktuell, auch wenn er die Unruhen in Paris und anderen Städten aus dem Jahr 2005 aufgreift und weiter erzählt, damit aber eine gesellschaftliche Realität beschreibt, die sich bis heute nicht geändert haben mag, die vielleicht auch Auslöser für den Terror im Januar gewesen ist. Die Geschichte beginnt damit, dass Jean Deichel an einem Sonntag im April, es ist der Tag der Präsidentschaftswahl, aus seinem möblierten Zimmer ausziehen muss. Mit der Miete ist er schon seit einigen Monaten säumig. Er ist arbeitslos, und weil er die Formulare nicht ordnungsgemäß ausfüllt, wird immer mehr seiner Arbeitslosenunterstützung gestrichen. Er hat die letzten Wochen vor allem in seinem Zimmer verbracht und kann genau beschreiben, wie die Sonne ins Fenster …

Nino Haratischwili: Das achte Leben (Für Brilka)

Die Rezensenten im Feuilleton und die Besprechungen auf den Blogs haben – zumeist – eines gemeinsam: Sie übertreffen sich fast gegenseitig beim euphorischen Lob über Haratischwilis Roman. Dabei sehen sie Positives auf allen Ebenen, die einen Roman ausmachen: die spannende Handlung, die über 100 Jahre reicht und uns dabei die Fährnisse nahebringt, die die Mitglieder der Familie Jaschi während des 20. Jahrhunderts in Georgien – und damit in einem kommunistischen, vom Geheimdienst eisern unterjochten Land – erleiden; die eindringliche, bunte und mitreißende Sprache, umso überzeugender, als dass Haratischwili keine Muttersprachlerin ist; die chronologisch-linear erzählten Geschichten der sechs Generationen bzw. der sieben Leben, zum Teil sich zeitlich verschränkend und immer im Kontext der geschichtlichen Ereignisse, die manchmal mehr, manchmal weniger direkten Einfluss auf die handelnden Personen haben. Nino Haratischwili entfaltet tatsächlich ein weites Panorama: Sie entführt uns nicht nur in ganz verschiedene geografische Bereiche, nach Tbilissi in Georgien, nach Petrograd/Leningrad, nach Moskau, Prag, London, Berlin und Wien, sondern sie schickt uns auch ins 20. Jahrhundert zurück, gleich Jahrhundertwende, als in Georgien Anastasia, genannt Stasia, geboren wird, …

Heike Geißler: Saisonarbeit

Es gibt wenig Literatur darüber, wie es so abläuft in unseren Produktionshallen, Büros und Eventagenturen. Romane, die sich mit der Welt der Arbeit und ihrer Auswirkungen auf die Menschen beschäftigen, Romane, die sich damit auseinandersetzen, wie weit das Primat der Wirtschaft in alle gesellschaftlichen Bereiche eingedrungen ist, sind kaum zu finden. Auch in den neuesten Verlagskatalogen drängeln sich Entwicklungsromane und die üblichen Geschichten zu Liebe, Lust und Leidenschaft und ihren dramatischen Seiten, flankiert von den Geschichten, die uns in die Vergangenheit entführen. Kaum ein deutscher Roman setzt sich dagegen mit ganz aktuellen gesellschaftlichen Verwerfungen auseinander. So muss der interessierte Leser also zu Fachpublikationen greifen oder ist froh, wenn es wenigstens mal einen Essay, eine Reportage zum Thema gibt. Und einen Essay hat nun Heike Geißler geschrieben über ihre Zeit als Weihnachtssaisonkraft im Leipziger Lager von Amazon – und gleich noch eine Auseinandersetzung über die wirklich alle Energie aussaugende prekäre Arbeit. Auch wer schon einmal an einer Kasse im Supermarkt, an einer Maschine in der Produktion oder an der nach Prinzipien der Arbeitsteilung bis in kleinste …

Joshua Ferris: Mein fremdes Leben

Nur auf den ersten Blick hat es Paul O´Rourke, Zahnarzt in Manhattan, mit einem Diebstahl seiner Identität im Internet zu tun, wie es Titel, Cover, Klappentext und Verlagsinformationen erwarten lassen. Wer nun eine spannende Geschichte über das Katz- und Mausspiel im Internet, wer gar kriminologische Recherchen und Verfolgungen erwartet, wer sich ein bisschen erschrecken möchte über die gespenstischen Möglichkeiten des Datenmissbrauchs im Internet, wer gar eine kritische Auseinandersetzung mit den Wirkungen sozialer Medien auf die reale Persönlichkeit, und das in Verbindung mit dem Doppelgängermotiv, erwartet: der wird enttäuscht. Sicher gibt es da einen jemand, der nicht nur eine Website der Praxis ins Netz gestellt hat, sondern im Laufe der folgenden Tage und Wochen auch in immer mehr sozialen Netzwerken unter dem gekaperten Namen sehr präsent ist. Aber da ist eben kein Möchtegern-Doppelgänger am Werk, der sich für den realen Zahnarzt ausgeben will, um sich in seinem realen Leben breitzumachen – gute Vermögensverhältnisse inklusive, leider keine Frau, keine Kinder. Vielmehr ist der erste und direkte Ansprechpartner der Aktionen Paul selbst, denn er wird aus dem virtuellen …

Joshua Cohen: Vier neue Nachrichten

Es stimmt schon, „das Internet“ verändert – zum Teil – unsere Lebensgewohnheiten, greift in unseren Tagesablauf ein, beeinflusst unsere Arbeit und unseren Konsum, wertet unsere persönlichsten und privatesten Daten aus und schafft neue Kommunikationsmöglichkeiten. So haben Hobby-Leser nun ganz andere Möglichkeiten, mit anderen Hobby-Lesern in Kontakt zu treten, wenn sie auf ihren Hobby-Blogs ihre Hobby-Rezensionen veröffentlichen und diese gegenseitig kommentieren. Sie tauschen untereinander Bücher, manchmal verabreden sie sogar ganz anachronistische Treffen. Aber die Technik, die es erleichtert, geografisch weit verstreute Gleichgesinnte auf einem virtuellen (Markt-)Platz zu treffen, um sich auszutauschen, gemeinsam etwas zu organisieren, mithin gesellschaftliche Öffentlichkeit herzustellen, kann natürlich auch anders genutzt werden: als Pranger, an dem jemand öffentlich zur Schau gestellt wird, als Medium zur Verbreitung von Vorurteilen, Verleumdungen und Hass, und Daten können genutzt werden, um Gewohnheiten, Einstellungen, Meinungen einzelner Akteure auszuspähen. Wie die Technik das Leben verändert, spielt in der Literatur bisher nur in Ansätzen eine Rolle. Nelia Fehn navigiert mit Hilfe ihres Smartphones durch Athen und durch Frankfurt, in Kuhns Roman „Hikikomori“ nutzt der Protagonist den Computer, um den nötigsten …

Roman Ehrlich: Urwaldgäste

In den Urwald entführt uns Roman Ehrlich mit seinen zehn Erzählungen, so verspricht es der Titel. Und dabei bleibt unklar, ob wir Leser die Gäste sind im Urwald oder doch die Protagonisten seiner Geschichten. Auch die Covergestaltung trägt das Ihre bei zur Einschätzung, einen Ausflugs in eine Natur zu bestreiten, die gänzlich ohne die ordnende Hand des Menschen auskommt: Äste, Blätter und die verschiedenartigsten Blüten einer unbekannten Pflanze wuchern über die Seite, Vögel sind zu sehen, deren Gefieder sich gar nicht so sehr von denen der Pflanzen unterscheidet, ein hölzerner Sessel mit filzartigen Armschonern steht bereit, den Erzählungen zu lauschen. Ein Urwald also, den wir nicht durchschauen, deren Pflanzen und Tiere wir nicht kennen, eine Umgebung, die angesichts der Farbenpracht phantastisch wirkt, aber auch ängstigend, weil wir nicht wissen, ob sich hinter dem nächsten Blatt eine Gefahr verbirgt, der wir uns völlig ahnungslos nähern. Ein Urwald also, der die Menschen, die sich nicht auskennen, auch täuschen kann, sodass sie nicht mehr wissen, was Realität, was – wahnhafte – Vorstellung ist. So wissen wir, auf was …

Rainald Goetz: Johann Holtrop

Dieser Tage berichten die Zeitungen über die neue, wohl wissenschaftlich belastbare Erkenntnis, dass Psychologen erst gar nicht mehr lange Fragebögen entwickeln müssen, wenn sie herausfinden wollen, ob ihr Gegenüber eine narzisstische Persönlichkeit hat. Die Frage „Ich bin ein Narzisst. Wie sehr stimmen Sie dieser Aussage zu?“ reiche völlig aus, um das herauszufinden, denn die Betroffenen geben offen zu und seien geradezu stolz darauf, sich selbst ganz großartig zu finden und zu meinen, viele Dinge besser zu können als andere, während ihnen Selbstkritik völlig fremd sei, ebenso wie Mitgefühl. Wenn dieses Erkenntnis stimmt, dann ist Johann Holtrop Narzisst. Er ist prominenter Manager eines Medienunternehmens, der Vorstandsvorsitzende der Assperg AG, erfolgreich zur Jahrtausendwende, zur aufregenden und aufgeregten Zeit der New Economy, die zum Ende der 1990er Jahre viele Fantasien befördert und die ersten „Investoren“ steinreich gemacht hat. Holtrop verkauft in der Boomphase einen Unternehmensteil und spült damit eine richtig große Summe Geld ins Portefeuille seines Arbeitgebers – und ins eigene. Und weil er so erfolgreich ist, sind natürlich die Journalisten hinter ihm her, fragen nach Interviews, wollen …

Rafael Chirbes: Am Ufer

Als Wirtschaftskrimi kündigt der Verlag Rafael Chirbes Roman an, als Buch zur spanischen Finanzkrise empfiehlt ihn El Pais. Beide Zuschreibungen stimmen – und sind doch zu oberflächlich. Wesentlich vielschichtiger hat der Autor seinen Roman konzipiert und hat eben nicht nur die Auswirkungen der zerplatzten Immobilienblase auf die verschiedenen Milieus einer Kleinstadt in der Nähe von Valencia beschrieben. Chirbes hat uns vor allem Esteban erschaffen, einen knorrigen, und zynischen Handwerker, für den sein siebzigjähriges Leben mehr Enttäuschungen als positive Wendungen bereit gehalten hat. Esteban weiß seine Umgebung – und durchaus auch sich selbst – auch mit Ironie zu betrachten und beurteilen und er gewährt uns durch seine Erinnerungen auch tiefe Einblicke in die spanische Gesellschaft seit dem Ende der Zweiten Republik und der Machtübernahme durch Franco 1936. Es ist der 14. Dezember 2010 an dem Esteban sich auf den Weg macht in die Sümpfe. Zuvor hat er seinen über neunzigjährigen dementen Vater geduscht, ihm neue Windeln angelegt und ihn angezogen, ihm ein Frühstück bereitet und ihn dann in den tiefen Sessel vor den Fernseher gesetzt, aus …

Juli Zehs Corpus Delicti, Big Data und der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels

Als Juli Zeh 2009 ihren Roman „Corpus Delicti“ veröffentlichte, schien die von ihr dort als METHODE geschilderte Doktrin doch sehr weit hergeholt zu sein. Einen Staat, der das Rauchen verbietet, den kennen wir ja. Eher unvorstellbar aber ist, dass der Staat so sehr in eine Erzieherrolle hineinwächst, dass er uns so allerlei gesundes Verhalten vorschreibt – und das auch lückenlos überprüft. Und doch wird uns mehr und mehr klar, dass „der Staat“ über Institutionen, die zunächst einmal unbemerkt von der Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit agieren, ungehindert Daten sammeln kann, zunächst vielleicht unter dem Deckmantel einer Terrorbekämpfung und mit sehr ungewissen Erfolgen. Neben dem Staat aber, und auch hier weitgehend außerhalb unserer Beobachtung, sammeln aber auch Unternehmenumfassende Daten, der „gläserne Kunde“ ist ihr Ziel, der Kunde, dem man am besten schon Werbung zu Produkten zukommen lassen kann, für die er sich wahrscheinlich erst in naher Zukunftinteressieren wird, der Kunde, dessen Risiko das (Versicherungs-)Unternehmen genau einschätzen kann. In Juli Zehs Gesellschaft, die sich zu Mitte des einundzwanzigsten Jahrhunderts entwickelt hat, ist es das Gesundheitswesen, dass die Menschen beherrscht. …

Matthias Nawrat: Unternehmer

Lipa lebt in Schönau, im Schwarzwald, und arbeitet als Assistentin im Familienunternehmen, das im – wir nennen es mal – Handel von Wertstoffen tätig ist. Lipa koordiniert die Einsätze, sie inventarisiert, sie erfasst die Ausgaben und Einnahmen, bewertet die beweglichen Wirtschaftsgüter, berücksichtigt vermögenswirksame Leistungen, bilanziert und sucht Kosteneisparpotenziale. Die ganze Familie lebt die Arbeitswerte des Vaters, der die Tätigkeit als Unternehmer hoch einschätzt. Zur Motivation hat er die Idee ersonnen, dass die Familie spätestens im nächsten Frühjahr nach Neuseeland auswandere, denn dort sei ja alles besser und leichter. Und auf jede noch so problematische Situation hat er eine Antwort, die aus dem Schatzkästlein des protestantischen Wirtschaftsethos Max Webers oder der Idee des schöpferischen Unternehmers, wie ihn Joseph Schumpeter skizziert hat, entliehen zu sein scheint: Es gibt keine unternehmensfreie Zeit, sagt der Vater. Entweder man ist Unternehmer, oder man ist es nicht. (…) Keinen Moment Ruhe kann man sich als Unternehmer gönnen. (…) Unser Beruf (…) bringt viele Schmerzen mit sich. Aber die Schmerzen müssen wir ertragen können. Das ist das Gesetz des Unternehmertums. (…) Wenn …

Max Frisch: Aus dem Berliner Journal

Es hat einen blauen Einband, das „Berliner Journal“, so wie seine älteren Brüder, die Tagebücher von 1946  – 1949 und von 1966 – 1971. Wer es aufschlägt und die ersten Einträge liest aus dem Februar 1973, der wird sofort hineingesogen in die unnachahmliche Sprache Max Frischs. Kaum einem Schriftsteller gelingt es so überzeugend, mit ein paar Sätzen, ausformuliert die einen, unvollständig, manchmal bis auf ein Wort verknappt, die anderen, wie ein Zeichner mit ein paar Bleistiftlinien in seinem Skizzenbuch, vor den Augen der Leser eine vollständige Szene entstehen zu lassen, eine Geschichte zu erzählen, die darin mitschwingenden Gefühle gleich mit. Unvergessen aus den ersten Tagebüchern sind seine Beschreibungen der Situation im Nachkriegsdeutschland, die zerstörten Städte, die er aus dem Zug sieht, die Flüchtlingsströme auf den Bahnhöfen; seine literarischen Skizzen und Ideen, das Nachdenken über „sein“ Thema – wer der Mensch denn wirklich sei, sich selbst und anderen gegenüber -, Begegnungen mit anderen Schriftstellern, die Reisen in die USA, Skizzen des Alltags. Ein ähnliches Themenspektrum findet sich auch im Berliner Journal. Zum Ende des Jahres 1972 …

Abbas Khider: Brief in die Auberginenrepublik

Über Nacht aus einem Land zu fliehen, um die eigene Haut zu retten vor Willkür, Verhaftung und Folter, und in einem anderen Land bei Null anzufangen, das ist das eine. Das andere aber ist, dass Menschen zurückbleiben, Eltern, Geschwister, Freunde, die Freundin, und es keinen Weg gibt, mit ihnen in Kontakt zu kommen, nicht einmal um zu melden, dass man gut angekommen sei in der Sicherheit des benachbarten Landes, ohne dass die dienstbaren geister des Staates mithören und mitlesen und so die Zurückgebliebenen auch noch in Gefahr zu bringen. Vielleicht ist das heute leichter, aber 1999, in der Zeit, aus der uns Abbas Khider die Geschichte eines Briefes erzählt, galt das Schicken eines Briefes über die normalen Wege als sehr gefährlich. So steht Salim seit zwei Jahren immer wieder ratlos vor der Post von Bengasi, in Libyen. Er ist zusammen mit anderen Studenten wegen Lesens „verbotener Bücher“ (S. 12) verhaftet worden. In der Folterkammer, die die Gefangenen als die „Schweiz“ bezeichnen, weil auf dem Elektroschockgerät der Aufkleber „Made in Switzerland“ prangt, hat er nichts verraten, …

Michael Köhlmeier: Die Abenteuer des Joel Spazierer

Joel Spazierer ist ein Lügner, ein Dieb und ein Mörder. Er ist ein Schutzengel, ein fürsorglicher Begleiter, ein liebevoller Vater. Er arbeitet als Automechaniker ebenso erfolgreich wie als Drogendealer und Professor für wissenschaftlichen Atheismus (!). Joel Spazierer bewegt sich problemlos in Städten des West- und des Ostblocks, wenn es sein muss, macht er sich unsichtbar und lebt wochenlang im Wald oder im Keller eines Luxushotels. Er kommt in der Unterwelt genauso klar wie in der Gesellschaft der Industriellen oder der Apparatschiks der DDR:  Joel Spazierer besitzt die Gabe der Anpassung an die unterschiedlichsten Lebensbedingungen. Natürlich ist Joel Spazierer nicht sein richtiger Name. Geboren ist er, nach eigenen Auskünften jedenfalls, im März 1949 in Budapest als András Fülöp. Sein Großvater, Ernö Fülüp, ist Leiter der internen Abteilung an der Semmelweisklinik. Er gerät in die Hände der Staatssicherheit, deren Häscher ihn einsperren und foltern, weil sie ihm vorwerfen, er habe versucht, den Parteivorsitzenden Ungarns während einer Gallenblasenoperation auf Geheiß des jugoslawischen Politikers Tito zu ermorden. Seine Großmutter, Helena Fülöp-Ortmann, eine Ägyptologin, die mit einem Buch über Echnaton …

Joachim Zelter: Einen Blick werfen. Literaturnovelle

Ein Albtraum: Den Schriftsteller erreicht eine Mail, in der sich ein gewisser Selim Hacopian vorstellt und berichtet, er habe ein Buch geschrieben. Nun bittet er den Herrn Schriefststeller, ihm doch etwas schiecken zu dürfen. Der Schriftsteller lehnt ab, sofort, er schickt eine Mail zurück, er will nichts lesen, hat selbst genug zu tun, den Schreibtisch voller Arbeit, voller eigener Texte, da will er sich nicht auch noch von fremden Texten die Zeit stehlen lassen. Erst nach seiner Antwort entdeckt er die komische Schreibweise einiger Wörter und ahnt, welcher Arbeit er gerade noch entkommen ist. Und dann entdeckt er aber auch, dass Selim Hacopian es nicht bei der Bitte belassen hat, etwas schiecken zu dürfen, sondern gleich einen Anhang beigefügt hat, egal, ob der Schriftsteller überhaupt etwas lesen möchte oder nicht. Der Anhang entpuppt sich als Lebenslauf, als ein ziemlich spektakulärer sogar: Sehen Sie, es ist doch nur ein Lebenslauf. Geboren in Namangan, Usbekistan, Übersiedlung der Familie nach Pakistan, von dort ausgewandert nach Ägypten. Religion Koptisch. Davor andere Konfessionen. Offiziersanwärter. Eine erste Chinareise. Eine zweite Chinareise. …

[5 lesen 20] Thomas Stangl: Regeln des Tanzes

Walter Steiner, pensionierter Wissenschaftler, wandert ziellos durch die Straßen Wiens. Er wandert durch Stadtteile, in denen er einmal gewohnt hat, in denen er sich gut auskennt, in denen sich über die Jahre nichts verändert hat, durch Straßen mit sanierten Altbauten, in denen nun Firmen mit modernen Namen ihren Sitz haben, durch Gassen, die er noch nie betreten hat: Nichts passte mehr zum anderen, die Häuser nicht zu den Straßen, die Straßen nicht zu den Menschen, die Menschen nicht zu den Erinnerungen, die Häuser waren keine Häuser, die Straßen keine Straßen, (sie passten nicht zu sich selbst), die Menschen keine – nun das heißt nur, er passte nicht hierher, sonst passte alles. (S. 11) Und dann, in einem Loch in der Hausmauer eines neu gebauten Hauses, findet Steiner zwei Filmdosen, in denen sich auch tatsächlich Filme befinden; alte Filme mit Bildern, die entwickelt werden und auf Papier abgezogen werden müssen. Wie mit einem Geheimfund läuft Steiner nun durch die Stadt, zu Hause versteckt er seinen Schatz in der Schublade seines Schreibtisches, seine Frau Pre soll nichts …

[5 lesen 20] Jonas Lüscher: Frühling der Barbaren

Preising erzählt eine Geschichte aus Tausendundeiner Nacht, von Palmen, Kamelen und Zelten in einer Oase. Aber Preising erzählt keine erotischen Märchen, um einen Herrscher gnädig zu stimmen, sondern die bemerkenswerte Geschichte seines Urlaubs im „Thousand and One Night Resort“. Dies ist ein Luxushotel in der Wüste, in das ihn sein tunesischer Geschäftspartner, der nicht nur Platinen für das Schweizer Unternehmen Preisings lötet, sondern auch noch einige Hotels zu seinem wohl weitverzweigten Unternehmen zählt, eingeladen hat. Im „Thousand and One Night“ residiert auch eine Hochzeitsgesellschaft aus London. Es sind junge Bankangestellte, die in die tunesische Wüste gereist sind, um eine möglichst romantische, möglichst orientalische, möglichst exotische Hochzeit zu feiern, wollen dabei aber auf keinen Luxus verzichten. So amüsieren sich sechzig bis siebzig Finanzjongleure am Pool: Junge Leute in ihren späten Zwanzigern und frühen Dreißigern. Laut und selbstsicher. Schlank und durchtrainiert. (…) Wer sich ins Wasser wagte, trug eine jener Badehosen, wie man sie von Fotos kannte, die den jungen JFK am Strand von Martha´s Vineyard zeigten, oder knappe Bikinis, die die flachen Bäuche gut zur Geltung …

Robert & Edward Skidelsky: Wie viel ist genug? Vom Wachstumswahn zu einer Ökonomie des guten Lebens

„Damals, als es mir beschissen ging, gab es Liebe und Freunde, wo kamen sie hin?“ fragt Charles Aznavour in seinem Chanson von 1977. Hier wird besungen, wie es war, in der alten Zeit, als er zwar kein Geld hatte, aber viele Freunde, mit denen er nächtelang „über Gott und die Welt“ diskutierte. Aber da war auch der Ehrgeiz, etwas erreichen zu wollen, „es zu schaffen“ und so opferte er alles, auch Liebe und Freunde, um „Macht und Geld“ zu bekommen. Als Aznavour dieses Chanson für seine CD „Duo“ zusammen mit Herbert Grönemeyer 2008 aufgenommen hat, hat der beschriebene Konflikt nichts von seiner Brisanz verloren: Finanzieller Erfolg geht oft auf Kosten der Zeit, die für Freundschaften zur Verfügung steht – finanzieller Erfolg wird oft erreicht auf Kosten des „guten Lebens“. Mit der Frage, was denn ein gutes Leben sei in einer Gesellschaft, in der doch alles vorhanden ist, beschäftigen sich Robert Skidelsky, Wirtschaftswissenschaftler und Keynes-Experte, und sein Sohn Edward, der Philosophieprofessor ist, in ihrem gemeinsamen Buch. Sie wollen, so schreiben sie zu Beginn, mit ihrem Buch …

John Lanchester: Warum jeder jedem etwas schuldet und keiner jemals etwas zurückbezahlt. Die bizarre Geschichte der Finanzen

Wer etwas wissen möchte über die Hintergründe von Bankenkrise, Finanzkrise und Eurokrise oder wer etwas erfahren möchte über die Begriffe Eigenkapitalisierung von Banken, Derivate, Swaps, Subprime-Hypotheken, das AAA der Ratingagenturen und die Immobilienblase, der kann dies alles nicht nur als äußerst kenntnisreich und spannend beschriebene Geschichte der letzten Jahre, sondern vor allem auch auf geradezu unterhaltsame Art und Weise in John Lanchesters Essay mit dem etwas sperrigen Titel „Warum jeder jedem etwas schuldet und keiner jemals etwas zurückbezahlt“ nachlesen. Im Spätsommer des Jahres 2007 begann John Lanchester, sich mit der Finanzindustrie, ihren Produkten, ihrem Geschäftsgebaren und ihrer Entwicklung zu beschäftigen. Es war die Zeit, in der Kunden ihre Bank Northern Rock stürmten, um möglichst alle Guthaben abzuräumen. Damit brachten sie die Bank in so massive Bedrängnis, dass das Institut wenige Monate später Schutz unter dem weiten Mantel des Staates suchen musste. Lanchester recherchiert seitdem das Ge-schehen um Börsen, Wertpapier- und Immobilienhandel und hat somit die Finanzkrise von Beginn an beobachtet. Verarbeitet hat er seine Erkenntnisse nicht nur in Artikeln für den New Yorker und die …

Sascha Reh: Gibraltar

Bernhard Milbrandt hat die Bank ausgeraubt und ist nun auf dem Weg nach Gibraltar. Dort, bei einer Offshorebank, will er ein Konto eröffnen, um an das Geld zu gelangen, dass er gerade bei seinen Deals zur Seite geschafft hat. Er ist kein Bankräuber alten Stils, der mit Strumpfmaske über dem Kopf und Pistole in der Hand in der Schalterhalle einer Bank Angst und Schrecken verbreitet, sodass der Kassierer ihm das Bargeld in die mitgebrachten Taschen packt. Bernhard Milbrandt hat seine eigene Bank abgezockt, die Bank, bei der er seit Ende seines Studiums als Händler arbeitet und bei der er sich im Laufe der Jahre wegen seiner guten Erfolge und hohen Erträge eine Ver-trauensstellung erarbeitet hat – obwohl sein aggressiver und risikoreicher Spekulationsstil so gar nicht zum Firmenleitbild passt. Vor eineinhalb Jahren konnte er Johann Alberts, den Komplementär der Bank, überreden, ihn Eigenhandel betreiben zu lassen, also mit dem Eigenkapital der Bank Geschäfte zu tätigen. Diese Geschäfte sind höchst riskant, denn seit der Bankenkrise 2008 sind die Vorschriften für die Höhe des Eigenkapitals heraufgesetzt worden. Milbrandt …

Philipp Schönthaler: Nach oben ist das Leben offen

„Arbeit als Hochleistungssport“ überschreibt die Süddeutsche Zeitung vor einigen Tagen einen Artikel, der von den „World Skills“ berichtet, einem Wettbewerb, der in diesem Jahr in Leipzig stattgefunden hat und bei dem die Teilnehmer, Berufsanfänger aus 46 nicht-akademischen Berufen, gegeneinander antraten. Unter den Augen der Öffentlichkeit mussten sie in einer knapp bemessenen Zeit das Design für eine Jacke entwickeln und diese nähen, ein Auto lackieren, Fliesen legen, einen Gartenweg oder eine Wandfläche nach einer Vorlage gestalten. Und damit der Pinsel ruhig in der Hand liegt, hat sich die Maler-Meisterschülerin mit autogenem Training und mit Yoga gut vorbereitet. Die Menschen, die in diesem Artikel beschrieben werden, könnten Figuren sein aus Philipp Schön-thalers Erzählungen. Allen gemein ist ihr Streben nach Höchstleistungen, sowohl im Beruf als auch in Freizeitaktivitäten, die aber längst so professionell ausgeführt werden, dass sie zum Beruf ge-worden sind. Da ist zum Beispiel Termann, Apnoetaucher, dessen Ziel es ist, 200 Meter tief zu tauchen ohne Sauerstoff, nur mit seiner eigenen Luft. Diese Art des Tiefseetauchens ist nicht ganz ungefährlich, denn die eingeatmete Luft muss auch dazu …

Gabriele Goettle: Der Augenblick. Reisen durch den unbekannten Alltag

Gabriele Goettle hat diesem Band mit 26 Reportagen, die zwischen 2007 und 2009 entstanden und bereits in der TAZ erschienen sind, den Untertitel „Reisen durch den unbekannten Alltag“ gegeben. Tatsächlich erzählen die in diesen Reportagen porträtierten Frauen von ihrem Alltag und konzentrieren sich bei ihrem Reden und Erzählen vor allem auf ihre Berufe oder ihr sozialpolitisches Engagement, sodass ganz ungewöhnliche, eben unbekannte Bereiche des Alltags beleuchtet werden. Es sind Texte entstanden, in denen außergewöhnliches Expertentum deutlich wird und das vor allem auch in seiner hier zusammengetragenen Vielfalt ungewöhnlich, interessant und spannend ist. Die Kioskfrau berichtet über ihre jahrzehntelange Arbeit und beschreibt dabei, fast nebenbei, nicht nur ihr Arbeitsethos, sondern auch die soziale Entwicklung in ihrem Umfeld. Die Körperhistorikerin schildert die Ergebnisse ihrer Forschungen und ihre Erkenntnis, dass sich Körper- und Krankheitswahrnehmungen im Laufe der Jahre und Jahrhunderte geändert haben, von einer ganz unmittelbaren, fast bildlich-naiven Beschreibung von Krankheitssymptomen hin zu unserem eher mathematisch-statistisch geprägten Blick auf Krankheiten, der Risiken fast vorhersehbar macht. Die Gründerin des Krisentelefons „Pflege in Not“ berichtet von den schon irrwitzigen Zuständen …

Amy Waldman: Der amerikanische Architekt

Noch als die meisten Betrachter fassungslos auf die quasi in Endlosschleife gezeigten Bilder der brennenden und zusammenstürzenden Türme des World Trade Centers schauten, waren die ersten Stimmen zu hören, die behaupteten, dass nun nichts mehr sei wie zuvor. Tatsächlich wurden fast über Nacht die über viele Jahre, vielleicht sogar Jahrhunderte, erkämpften Bürger- und Freiheitsrechte ganz ohne die demokratisch übliche öffentliche Debatte zugunsten einer vermeintlich erhöhten Sicherheit eingeschränkt und schon ein paar Monate später zogen erste Soldaten in den Krieg gegen den Terror. Und in das Bewusstsein der Gesellschaft drang ein Gift das Vertrauen zerstört, Respekt und Toleranz. Und so merkt auch Mo Khan schon eine Woche nach den Anschlägen, dass nichts mehr ist, wie es war. Von den Anschlägen hat er aus dem Radio erfahren, Mo ist Architekt bei dem renommierten New Yorker Architekturbüro ROI und betreut im September 2011 den Bau des neuen Theaters in Santa Monica. Während in den Tagen nach den Anschlägen immer sicherer wird, dass Muslime für die Taten verantwortlich sind, beobachtet er sich dabei, wie er auf der Baustelle keine …

Leonardo Padura: Der Nebel von gestern

Was für ein Zufall: Da schließt sich die eine Lektüre – ganz ungeplant –geografisch nahtlos an die vorherige an. Meike Winnemuth besuchte als letzte Stadt ihrer Jahresreise Havanna. Dort konnte sie nur ganz schlecht Fuß fassen, unter anderem, weil sie Kuba als ein einziges Museum empfand, nämlich „ein karibisches Disneyland der Fifties.“ Als selbstkritische Touristin beschreibt sie Kuba so: Hinterher reist jeder Besucher mit dem dreisten Wunsch ab, dass es möglichst hübsch heruntergekommen bleiben möge, es fotografiert sich einfach besser – scheiß auf die Einwohner, die lieber in heilen Häusern wohnen würden und einen Job hätten, statt auf den Stufen der Verwahrlosung zu hocken und sich von Leuten wie mir beim prima authentischen Zigarrenrauchen knipsen zu lassen. (…) Und trotzdem, trotz aller kleinen Öffnungen, durch die die vorsichtige Frischluft in Fidels hermetisches Reich bläst. Über allem hängt der Geruch des Untergangs. [1] Genau in diese marode, zum Teil wirklich lebensfeindliche Umgebung entführt uns Leonardo Padura in seinem wunderbaren Roman um den ehemaligen Polizisten Mario Conde. Padura selbst ist Journalist gewesen, ein bekannter Verfasser von Reportagen, …

Gerbrand Bakker: Der Umweg

Es gibt diese Fragen, die bei den Antworten ganz grundsätzliche Entscheidungen einfordern und auf die wahrscheinlich keiner eine ehrliche Antwort finden kann, solange er nicht selbst in der ganz konkreten Situation ist. Agnes, die Heldin in Bakkers Roman, hat ihre ganz persönliche Antwort gefunden auf die Frage, die ihr gestellt worden ist: „Was würdest Du tun, wenn Du nur noch einige wenige Monate zu leben hast.“ Und die Frage kann sicherlich nicht beantwortet werden, wenn nicht auch das Leben bis hierher bilanziert wird, die Beziehungen zu Familien und Freunden geklärt werden, die Zufriedenheit mit dem Beruf – und im schlechtesten Fall auf einmal feststeht, dass man das falsche Leben gelebt hat. Agnes und ihr Mann haben sich in ärztliche Behandlung begeben, um ein Kind zu bekommen. Im Rahmen der notwendigen Untersuchungen ist bei Agnes eine bösartige Krankheit, den Symptomen nach Krebs, auch wenn dies im Roman nie explizit benannt wird, diagnostiziert worden. Agnes spricht mit niemandem darüber, mit ihrem Mann nicht und nicht mit ihren Eltern. Auch über ihre Kündigung als Literaturdozentin an der Uni …

Frank Schirrmacher: Ego. Das Spiel des Lebens

Mitte Februar gab es in den deutschen Feuilletons ein interessantes Phänomen zu beobachten: Quer zur üblichen politischen Haltung der Zeitungen wurde Frank Schirrmachers neues Buch „Ego“ überraschenderweise dort bejubelt, wo konservative Äußerungen sonst eher kritisch beurteilt werden, während sich in eher konservativen Publikationen die negativen Stimmen zur Wort meldeten [1]. So schreibt dann auch Augstein in seiner Kolumne auf spiegel online: Vor allem aber ist die Tatsache, dass dieses Buch aus der Feder des konservativen Journalisten Schirrmacher stammt, ein weithin sichtbares politisches Signal: Die Kapitalismuskritik ist inzwischen im Herzen des Kapitalismus angekommen. [2] Schirrmacher also, Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, die ihre deutliche Ausrichtung auf wirtschaftliche Themen ja duurchaus als Alleinstellungsmerkmal sieht, geht in seinem Buch den Spuren nach, die, seiner Meinung nach, zu dem von ihm diagnostizierten Egoismus in unserer Gegenwart geführt haben. Er macht das Modell des „Homo oeconomicus“ aus, das, zu Beginn des 20. Jahrhunderts fast vergessen, in den 1950er Jahren reanimiert wurde und zusammen mit der neu entwickelten Spieltheorie John von Neumanns und John Nashs (wir kennen ihn aus dem Spielfilm …

John Lanchester: Kapital

Es ist schon eine spannende Idee, in die Häuser einer Straße zu schauen, um durch die vielen Lebensgeschichten ihrer Bewohner exemplarische Blicke zu bekommen auf die Beschaffenheit einer Gesellschaft. Diese Idee hat John Lanchester für die Pepys Road übernommen, eine Straße in London, deren Häuser vor über Hundert Jahren für die kleinen Angestellten aus Rechtsanwalts- und Steuerkanzleien erreichtet wurden, die aber mittlerweile in den Sog der Immobilienblase geraten und damit nur noch für sehr gut betuchte Menschen erschwinglich sind. Die momentan noch ansatzweise gemischte Bevölkerung, die hier lebt, zeigt dann tatsächlich ein gutes und vielschichtiges Panorama großstädtischen Lebens unserer heutigen Zeit. Dabei streift der Zeitraum von Dezember 2007 bis November 2008 tatsächlich die Zeit des Ausbruchs der Finanzkrise. Dass dieses Panorama in der Marketingmaschinerie von Verlag und Feuilleton dann aber gleich als Roman zur Finanzkrise erklärt wird, ist kaum nachvollziehbar. Ein Jahr lang kann der Leser einige der Bewohner der Straße, aber auch der Menschen, die im Umfeld der Straße arbeiten, in ihrem Leben begleiten und schlaglichtartig Höhen und Tiefen miterleben. Als roter Faden dient …

Anna Kim: Anatomie einer Nacht

Die deutsche Journalistin Ella ist nach Grönland gereist, weil sie herausfinden möchte, warum es dort so viele Selbstmorde gibt. Auf ihre Frage erklärt Peder, der die Touristeninformation leitet, dass Selbstmorde in der Natur der Grönländer liegen. Weil Grönländer nämlich nur in der Gegenwart lebten, so seine Meinung, weil sie unfähig seien, ihr Unglück zu kontrollieren und weil es ihnen an Vernunft mangele, führe eine unglückliche Gegenwart sie eben unweigerlich dazu, sich selbst zu töten. In der Nacht, in der Ella im Pakhuset, der einzigen Diskothek Amarâqs mit Peder spricht, töten sich innerhalb von fünf Stunden gleich elf Grönländer. Ella hat wohl keinen dieser Menschen kennengelernt. Wer es sich dann zur Aufgabe macht, die Entwicklungen dieser Nacht, die Stunden zwischen 22 und 3 Uhr, zu rekonstruieren, das bleibt unklar. So versucht der Roman, die Handlungen, aber auch die Gedanken und Reflexionen der Personen wiederzugeben, die sich entschließen in dieser Nacht zu sterben. Strukturierendes Prinzip ist dabei der Ablauf der Zeit in dieser Nacht, sodass der Leser die Personen zu einzelnen Zeitpunkten in ihrem Denken und Tun …

Kevin Kuhn: Hikikomori

Als Till die Zulassung zum Abitur nicht bekommt, räumt er alle Möbel aus seinem Zimmer bis auf die Matratze, ein Buchregal und den Schreibtisch mit seinem PC. Nun hat er mehr Platz und wenn er seine Matratze, die er in die Mitte des Zimmers auf den Boden gelegt hat, umrundet, braucht er jetzt 15 Schritte, während er früher nur 12 schaffte: Im-Kreis-Gehen belebt das Denken. Ich bin lange nicht mehr im Kreis gegangen, ich hatte lange keine Zeit zum Denken mehr. Immer mehr läuft Till im Kreis, immer mehr zieht er sich aus der Welt zurück und beschränkt sein Leben auf sein Zimmer. Er will keinen Kontakt mehr mit seinem Freund Jan und seiner Freundin Kim. Er nimmt nicht mehr an den Familienessen im Wohnzimmer teil. Und als Jan nach dem Abitur zur ehemals gemeinsam geplanten Reise nach Amerika und Australien aufbricht, beschließt er, die Welt im Kleinen, also die Welt in seinem Zimmer zu entdecken. Seiner Freundin, die er mit Jan auf der Reise vermutet, schreibt er: vielleicht erklimmt ihr gerade einen berg, während …