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„Erschlagt die Armen“ – Warum Gespräche über Literatur so wertvoll und wichtig sind

Kai und ich haben uns vor ein paar Wochen auf dem Blog verabredet, Shimona Sinhas Roman gemeinsam zu lesen, darüber jeweils eine Besprechung zu veröffentlichen und über ein Interview miteinander ins Gespräch zu kommen (hier lest Ihr Kais Besprechung). Schon bei unseren Besprechungen ist deutlich geworden, dass wir ganz unterschiedlich auf den Roman geschaut haben, dass Kais Beurteilung deutlich kritischer ist. Trotzdem hat sein Blickwinkel mir noch einmal eine weitere Ebene der Rezeption erschlossen, nämlich gerade durch seinen viel genaueren Blick auf die Rolle der Frau in der indischen Gesellschaft. Nun folgt also unser Interview, das wir auf beiden Blogs veröffentlichen – und Eure Kommentare sind uns herzlich willkommen, damit wir weiter intensiv über Literatur sprechen können. Interview mit Kai Claudia: Lieber Kai, Du hast ja nun auch Shumona Sinhas Roman „Erschlagt die Armen“ gelesen. Mich hat der Roman unheimlich fasziniert, sodass ich ihn gar nicht mehr aus der Hand legen wollte. Doch trotz der nur wenig über 100 Seiten, hat die Lektüre schon seine Zeit gebraucht. Wie ist es Dir beim Lesen ergangen? Kai: …

Shumona Sinha: Erschlagt die Armen

Shumona Sina hat ihren Roman in Frankreich schon 2011veröffentlicht. Sie stammt aus Indien, hat dort bereits Gedichtbände auf bengalisch veröffentlicht und lebt seit 2001 in Frankreich. Dort hat sie auch den Job gehabt, den sie nun ihrer Protagonistin auf den Leib schreibt: Sie ist Dolmetscherin bei der Einwanderungsbehörde, kennt das Innere eines Amtes, weiß um das Prozedere bei den Anhörungen von Asylbewerbern und bei den medizinischen Untersuchungen, sie hat den manchmal zermürbenden Arbeitsalltag zwischen Verwaltungsvorschrift, Formularwesen und Lüge selbst erlebt. Als ihr Roman „Erschlagt die Armen“ veröffentlich war, hat sie die Kündigung bekommen, ihr Text sei den Behörden vor der Veröffentlichung nicht zu Genehmigung vorgelegt worden, hieß es. Sie scheint also mit ihrem schmalen Roman, der den Titel eines Gedichts Charles Baudelaires trägt, der Administration und weiteren staatlichen Stellen ordentlich auf die Füße getreten zu haben. Und tatsächlich: Schon alleine der Erzählton der namenlosen Ich-Erzählerin ist von einer ganz anderen Energie, einer Wut geradezu, die beispielsweise in Jenny Erpenbecks Roman „Gehen, ging, gegangen“ ganz und gar nicht zu finden ist. Schon im ersten Satz denkt …