Monat: August 2017

Uwe Johnson: Mutmassungen über Jakob

Es braucht nur ein paar Sätze und schon ist er wieder ganz präsent, dieser so typische Klang der Johnson-Sprache. Eine Sprache, die Worte nutzt, denen Johnson auch unübliche Bedeutungen abringt, die immer wieder diesen ungewöhnlichen Satzbau hat, der ganz eigene Rhythmen entwickelt, einen eigenen Sog entfaltet für diejenigen Leser, die sich davon packen lassen. Eine Sprache, die Blicke freigibt auf scheinbar unwichtige Details und dadurch soviel zur Atmosphäre beiträgt und soviel auch über die Charaktere verrät. Und die Werkausgabe Johnsons, die in diesem Frühjahr mit dem ersten Band, den „Mutmassungen über Jakob“ gestartet ist, hat den Anstoß gegeben, Johnson wieder zu lesen und diesen ganz speziellen Kosmos wieder zu entdecken, der seine Werke ausmacht. Es gilt beim Lesen immer wieder zu bedenken: „Mutmassungen über Jakob“, die Geschichte um Jakob Abs, Dispatcher bei der Reichsbahn der DDR, die im Jahr 1956 angesiedelt ist – die Widerstände in Ungarn und ihr Ende durch den Einmarsch sowjetischer Truppen bilden den politischen Rahmen – ist tatsächlich der Debütroman Uwe Johnsons. Und entfaltet schon alles, was auch die späteren Romane …

Paul Auster: 4 3 2 1

Wie wäre unser Leben wohl verlaufen, wenn eine kleine Facette der äußeren Einflussfaktoren anders gewesen wäre? Oder wenn wir uns an irgendeiner Stelle anders entschieden hätten? Wenn die Eltern sich hätten scheiden lassen, oder wenn sie es eben nicht getan hätten; wenn ein Elternteil nicht so früh gestorben wäre, wenn die Familie in eine andere Stadt gezogen wäre, wenn die finanzielle Situation anders gewesen wäre, wenn die Eltern andere Freunde gehabt oder wir in andere Schulen gegangen wären, wenn wir uns anderen Freunden angeschlossen hätten, uns in andere Menschen verliebt, eine andere Sportart oder einen anderen Sportverein gewählt hätten? Wenn die gesellschaftspolitischen Entwicklungen andere gewesen wären? Wären wir dann ganz andere geworden als die, die wir heute sind? Paul Auster ist in seinem Roman „4 3 2 1“ genau diesen Fragen nachgegangen. Er erzählt uns die Geschichte von Archibald Ferguson, aber nicht nur von einem, sondern gleich von vier. Alle sind sie Enkel Isaac Reznikoffs, der genau am 1.1.1900 in New York an Land gegangen ist. Er kam aus Minsk, hat sich mit ein paar …