Jahr: 2022

Heinrich Steinfest: Amsterdamer Novelle

Aus Heinrich Steinfests Geschichten sind wir einige ungewöhnliche Vorfälle gewöhnt. Und auch die wunderbarsten Berufe begegnen uns immer wieder. Der Manager, der seine Berufung als Bademeister findet, der chinesische Kosmetikentwickler, der zum Küchengehilfen auf einer Alm in den Alpen wird, die Meeresbiologin, die ihre moralische Schuld durch Bügeln abzahlen möchte. So ist es auch in Steinfests neustem Werk, der Amsterdamer Novelle. Hier ist Roy Paulsen der Protagonist, ein dreimal geschiedener Toningenieur aus Köln, der nach einem Zweimonatskurs den Job als Visagist beim WDR bekam, weil der Personalabteilung die Bewerbung eines Mannes so gut gefallen hat. Paulsen also kennt schon von Berufs wegen aus mit dem Sein und dem Schein. Sein Sohn Tom ist nach Amsterdam gezogen und arbeitet als Spieleprogrammierer. Für ein Computerspiel, in dem Rembrandt durch eines seiner Bilder in die Zukunft, also in unsere Zeit, fällt, sucht Tom, durch die Amsterdamer Straßen spazierend, nach einer geeigneten Kulisse. Dabei fotografiert er Häuser, vor allem die alten Kaufmannshäuser, die auch schon zu Rembrandts Zeiten dort gestanden haben. Als er sich eines Abends seine Fotos anschaut, …

Das Lesejahr 2021 – Ein Rückblick

Im letzten Jahr habe ich nicht viel gelesen und noch weniger über meine Leseeindrücke geschrieben. Eine schwere Krankheit im nächsten Familienumfeld hat Kraft gekostet und ganz andere Prioritäten gesetzt.Trotzdem habe ich geschaut, welche Bücher aus dem letzten Jahr mir besonders gut in Erinnerung geblieben sind. Das Suchen nach ihnen und das Schreiben über sie ist also ein erster Gehversuch hin zu einer wieder aktiveren Zeit auf dem Blog. Und es sind drei Bücher auf meiner Rückblicksliste gelandet, die mir wegen ihrer Idee, wegen ihrer sprachlichen Gestaltung, wegen ihres Stils so besonders gut gefallen haben. Bernardine Evaristo: Mädchen, Frau etcÜber Evaristos Roman habe ich ja schon einen Blogbeitrag geschrieben. Die Idee, vielen unterschiedlichen Frauen eine Stimme zu geben, ihre Lebensgeschichten zu skizzieren, ihre Probleme, die manchmal ja auch gesellschaftliche Diskussionen widerspiegeln, und ihre Glücksmomente, das hat mir richtig gut gefallen. Evaristo erzählt vom prallen weiblichen Leben, vom Leben Schwarzer Frauen. Es sind aber alles Geschichten, in denen sich natürlich alle Frauen wiederfinden, es sind Figuren, die mal mehr mal weniger zur Identifikation einladen.Bernardine Evaristo (2021): Mädchen, …