am Rande notiert, Lesen, Romane, Wuppertaler Literatur Biennale
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Live-Literatur bei der Wuppertale Literatur Biennale

Nach den vielen Monaten fast ohne Kino, Konzert, Theater und Lesung ist die Freude auf Kulturabende ganz besonders groß. Und so ist es ja fast nicht zu glauben, dass die ursprünglich für Mai geplante Literatur Biennale nun doch noch stattfinden soll, wenn auch mit gekürztem Programm an nur 4 statt 10 Tagen. Dass trotzdem auch schon zwei Veranstaltungen dieses Programms abgesagt wurden, macht deutlich, dass die steigende Zahl der Corona-Infizierten, die sich bildenden Hot-Spots hier und da, die Bedenken der Beteiligten stärken und ihr Reisen verhindern.  

In dieser Woche haben das Kulturbüro der Stadt Wuppertal und der Koordinierungskreis als vorbereitende Teams der Literatur Biennale zu einer Pressekonferenz geladen und den diesjährigen Themenschwerpunkt und das Programm vorgestellt. Schon vor zweieinhalb Jahren sei das Thema festgezurrt worden, das in diesem Jahr und mit den Erlebnissen und Erfahrungen einer Pandemie ganz besonders aktuell sei: Tier, Mensch, Maschine – Berührungen.

So gebe es auf der einen Seite einen Paradigmenwechsel beim Verhältnis zwischen Mensch und Tier, da das Tier mehr und mehr als Subjekt wahrgenommen und um seine Rechte gestritten werde. Und auf der anderen Seite komme dem Menschen die Künstliche Intelligenz immer näher. So machen auch unsere Lebensgewohnheiten seit einigen Monaten deutlich, dass unsere Aufenthalte in digitalen Räumen berufliche und persönliche Kontakten ermöglichen, die so nicht möglich sind, dass uns jetzt aber gerade auch die analoge, die natürlich Welt fehlt, mit ihren Räumen für persönliche Begegnungen und Berührungen.

Es ist eine Besonderheit der Wuppertaler Literatur Biennale, die alle zwei Jahre stattfindet, dass die verschiedenen Veranstaltungen durch das vorangestellte Thema verbunden sind. So wird ein Thema, aus ganz unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet, so werden verschiedene Sichtweisen deutlich, so können vielfältige Standpunkte zu Diskussion einladen. Ganz unabhängig davon, ob dieser Roman oder jenes Gedicht in diesem Jahr erschienen ist oder schon vor drei, vier oder fünf Jahren. Das gilt auch für die Texte, die für die Ausschreibung des Preises der Wuppertaler Literatur Biennale eingereicht werden, die insofern also auch Originale sind.

Die Veranstaltungsreihe beginnt am 5.11.2020 mit einer Lesung Martin Walkers aus seinem Zukunftsthriller „Germany 2064“. Hier stehen High-Tech-Städte sogenannten „Freien Gebieten“ gegenüber, das Leben mit selbstfahrenden Autos, hochentwickelten Robotern, aber auch staatlicher Überwachung steht im Kontrast zu einem Leben in enger Verbindung mit der Natur. Eine Seuche spielt eine Rolle (!) und ein Hauptkommissar ermittelt im Dickicht von Werksspionage und organisiertem Verbrechen. Das hört sich spannend an von einem Autor, der nicht nur seinem französischen Kommissar Bruno Fälle im Périgord lösen lässt, sondern auch einem Think Tank in Washington angehört, der sich mit Entwicklungen der Zukunft auseinandersetzt.

Am zweiten Tag stehen die mit Wuppertal verbundenen Autor*innen im Mittelpunkt. Hier lesen Gedok-Autorinnen ihre Texte zur KI, hier stellen die Schriftsteller*innen des Verbands deutscher Schriftsteller*innen Lyrik und Kurzprosa vor, hier findet eine Textperformace der studentischen Initiative „Fakultät 0“ der Studierenden der Uni Wuppertal statt. Und die neue Ausgabe des „Karussels“, in der auch die Texte der Preisträger der Literatur Biennale 2020 publiziert werden, stellt sich ebenfalls vor.

Der dritte Tag (7.11.2020) steht dann ganz im Zeichen der Romane. Am Morgen liest Norbert Scheuer aus seinem Roman „Winterbienen“, am Abend liest Berit Glanz aus ihrem „Pixeltänzer“, Artur Dziuk aus „Das Ting“ und Emma Braslavsky aus „Die Nacht war bleich, die Lichter blinkten“. Während also zum einen die Parallelen zwischen dem Bienenvolk und dem Leben in einem autoritären Staat gezogen werden, also der Blick zwischen Tier und Mensch hin und herwandert, loten die drei jüngeren Autoren das Verhältnis von Mensch und Technik in verschiedenen Settings aus.

Am Sonntag wird, wieder in der schönen Umgebung im Skulpturenpark Waldfrieden, der Preis der Wuppertaler Literatur Biennale vergeben. Als Gastredner konnte John von Düffel gewonnen werden. Svenja Flaßpöhler und Ilija Trojanow werden dann in einer weiteren Veranstaltung über die Frage „Halten unsere Haltungen“ debattieren und in später wird Ilija Trojanow auch noch aus seinem Roman „Eistau“ lesen.

Auch dieses verkürzte Programm kann sich sehen lassen. Und entbindet die eifrigen Lesungsbesucher sogar von der Entscheidung, welcher Vorleserin, welchem Diskutanten der Vorzug gegeben werden soll. Dass die geltenden Hygienevorschriften umgesetzt werden, versteht sich von selbst,. Mit genügend Abstand zueinander und an Orten, an denen die Auslastung auf ein Viertel der grundsätzlich möglichen Plätze reduziert wurde. Auch der Kartenverkauf wird nur online stattfinden (s.u.).

So ist zu hoffen, dass die Mühen der Organisator*innen sich lohnen und alle geplanten Termine auch stattfinden können. Und viele Zuschauer*innen sich trauen, sich mit Abstand, aber doch physisch zu treffen und nach den vielen Zoom-, Teams- oder Skype-Sitzungen nun endlich wieder Literatur live zu erleben.  

Weitere Informationen und das ganze Programm findet ihr hier, Karten gibt es hier.

4 Kommentare

  1. Ich hoffe, liebe Maren. Und hoffe auch, dass ich mich hintraue. Die Zahlen der Infektionen steigen ja doch ziemlich rasch.
    Viele Grüße, Claudia

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