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Bodo Kirchhoff: Widerfahrnis

Widerfahrnis – das ist das, was jemand erfährt oder erlebt, das, was jemandem zustößt, was ihm begegnet, was über ihn hereinbricht. Julius Reither stößt so einiges zu in diesen paar Tagen im April und er lässt auch zu, was ihm widerfährt, lässt sich mitreißen und erlebt Dinge, mit denen er eigentlich schon abgeschlossen hatte. Ganz spontan und ohne großen Plan reist er in den Süden, reist vom späten Winter in Bayern mit Schnee und Eis in den frühen Sommer Italiens, mit Sonne und Wärme, dem besonderen Licht des Südens und den Blick auf das Meer. Je mehr dabei die Sonne scheint und er die Wärme und das Licht genießt, umso mehr scheinen auch seine eingefrorenen Gefühle aufzutauen. Und neben dem Gefühlsabenteuer gibt es auch noch das ein oder andere Abenteuer zu bestehen bei diesem Road-Trip, denn immerhin geht die Reise ja genau dorthin, wo die Flüchtlinge landen, die aus Afrika über das Mittelmeer kommen.

Zum Weiterlesen hier entlang.

4 Kommentare

  1. Liebe Claudia, du schreibst: „Und diese Reflektionen verraten Reithers Lebensthema. Er ist Lektor, streicht – auch heute noch – jedes Wort aus seinen Gedanken, Überlegungen, Sprechakten, das nur im Entferntesten etwas zu tun haben könnte mit Gefühlen.“ Du schreibst nichts darüber, wie dir Kirchhoffs Schreibstil gefallen hat – oder habe ich das überlesen? Ich frage, weil ich gerade irgendwo in einer Rezension über z.T. ziemlich verunglückte Sprachbilder und die Auffassung stolperte, K. habe leider zu wenig gekürzt. Hatte das Buch für mich bereits auf die Muss-ich-nicht-lesen-Liste gesetzt und bin jetzt unsicher. Liebe Grüße!

    • Liebe Maren,
      Liebe Maren,
      hast Du die Zeit-Rezension gelesen und beziehst dich auf sie? Manchmal finde ich die bei den unterschiedlichsten Romanen immer wieder vorgetragene Forderung nach einer Kürzung beliebig, so in diesem Fall. Verunglückte Sprachbilder sind mir auch nicht aufgefallen. In der Zeit (wenn du den Artikel meinst) ist ja kritisiert worden, dass man sich vorkäme wie in einem Schreibworkshop und dann wird eine Textstelle zitiert, die genau Reithers lektorierendes Denken verdeutlicht. Das hat mir gerade gut gefallen: Die Figur ist nur damit beschäftigt, die Sprache glatt zu bügeln und versteckt sich hinter den lektorierten Formulierungen. Für mich ist die Novelle eine der herausragenden Titel auf der Shortlist. Durchaus mit Luft nach oben ;).
      Viele Grüße, Claudia

      • Ja, jetzt wo du es fragst – es war die Zeit. Ich denke, nach deinem „Plädoyer“ mache ich mir dann doch selbst ein Bild. Muss allerdings ein bisschen warten – die Reagle biegen sich. 😉

      • Hihi, biegende Regale – die habe ich auch. Und immer wieder beim Bloglesen neue Verführungen :-). Dir ein eigenes Bild zu machen, ist auf jeden Fall ein guter Plan. Viel Spaß bei den anderen Lektüren!

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