Flucht und Entwurzelung, Lesen, Reportagen
Kommentare 14

Andrea Di Nicola, Giampaolo Musumeci: Bekenntnisse eines Menschenhändlers. Das Milliardengeschäft mit den Flüchtlingen

Eines der Themen, über das Zeitungen, Fernsehnachrichten und Internetseiten jeden Tag berichten, ist das der vielen Flüchtlinge, die in diesem Jahr ihre Einreise nach Europa versuchen. Von 600.000, die in diesem Jahr nach Deutschland kommen, ist die Rede, vielleicht werden es auch 750.000 [1] oder 800.000. Auf welchen Wegen diese Menschen nach Europa gelangen, welchen Risiken sie sich aussetzen und welchen Händen sie ihr Leben anvertrauen, das haben die beiden italienischen Autoren Andrea Di Nicola, der als Kriminologe mit dem Schwerpunktthema „organisierte Kriminalität“ an der Universität Trient lehrt, und Giampaolo Musumeci, Fotograf und Dokumentarfilmer, in diesem Buch dargestellt. Sie haben an den üblichen Routen mit den vielen Schleusern gesprochen und gewähren so einen tiefen Einblick in „die größte kriminelle Reiseagentur der Welt“. Für ihr Buch haben sie 2013 und 2014 recherchiert, also noch bevor die ganz großen „Reisebewegungen“ eingesetzt haben, die wir in diesem Jahr beobachten können.

Der Titel, dies sei zu Beginn festgehalten, ist recht auffallend, vielleicht gar reißerisch – und dies ist auch kein Übersetzungsfehler, sondern er entspricht durchaus dem italienischen Original – und weckt eigentlich auch falsche Vorstellungen. Zum ersten geht es hier nicht um Menschenhändler, sondern um Schleuser, auch wenn beide Gruppen oft ähnlich handeln, vor allem ähnliche Routen wählen. Menschenhändler aber sind solche, die Menschen mit bestimmten Versprechungen an andere Orte locken, um sie dann, beispielsweise durch den Zwang zur Prostitution, auszubeuten.

Die beiden Autoren, und dies erklären sie auch schon in der Einleitung, haben sich jedoch mit Schleusern und Schleuserringen beschäftigt, also mit den denjenigen Menschen, die Flüchtlingen helfen, in die Länder zu kommen, in die sie mit den eigenen Papieren nicht einreisen können. Und in diesem Buch ist auch nicht das Gespräch mit „einem“ Menschenhändler aufgezeichnet, sondern die Autoren haben an verschiedenen Einfallstoren nach Europa recherchiert und stellen so die unterschiedlichen Routen, Organisations- und Bezahlformen vor, sprechen mit den unterschiedlichsten Schleusern, mit Skippern, mit Taxifahrern oder auch „Reiseleitern“, die ihre Kunden über die verschiedenen Grenzen schleusen. So entsteht – viel besser eigentlich, als es der Titel verspricht – ein Kaleidoskop von mehr oder weniger kreativen „Einreisemöglichkeiten“.

Da ist Aleksandr aus Sibirien, der eine Marineschule besucht und nach dem Militär die Yachten der neuen Millionäre gesteuert hat. Als das Geschäft schlechter wurde, als es überhaupt kaum noch Jobs gab, hat er Anzeigen ins Internet gestellt. Er hat einen Job gesucht als Kapitän. Und bekam dann auch ein interessantes Angebot über ein ukrainisches Portal. Alexandr erzählt seine Geschichte in beachtlicher Sachlichkeit, immerhin gerät er in die Fänge einer „Organisation“, die ihn ähnlich ausnutzt, überwacht und ausbeutet wie auch die Flüchtlinge, die er transportieren soll. Mit ihnen zusammen landet er dann direkt bei seiner ersten Tour im italienischen Gefängnis, auch die Küstenwache kennt den nicht mehr ganz taufrischen Trick mit den Luxusyachten, die lange nicht kontrolliert wurden, wenn sie über das sommerliche Mittelmeer schipperten; was haben die Reichen schon mit Flüchtlingen zu tun? Aber nun weiß es jeder: Luxusjachten mehr sehr großem Tiefgang haben wahrscheinlich sehr viele Passagiere an Bord, meistens illegale.

Da ist Emir, Fischer auf den Kerkenna-Inseln, im Osten Tunesiens. Auf den Inseln, auf die man von Sfax per Fähre gelangt, gibt es seit der Revolution wenig Polizisten, vielleicht zwanzig. Und die Inseln haben eine ganz besondere Lage, denn sie liegen Lampedusa gegenüber, dem südlichsten Zipfel Italiens. Hierhin kommen Tunesier, Algerier, Menschen aus dem Tschad, erzählt Emir, um nach Europa zu gelangen, gerade einmal vierundsechzig Seemeilen entfernt liegt der Wunschort. Emir hat einige Mitarbeiter, die in den Städten unterwegs seien und die Kunden akquirieren. Die Kunden kommen auf die Inseln, werden in Häusern untergebracht und versorgt bis die Fahrt losgehen kann. Und müssen natürlich für jede Leistung zahlen, vorab. Und da sich auf der Insel alle kennen, lassen ihn auch die paar Polizisten in Ruhe, er kennt ja auch ihre Familien. Trotzdem entwickeln sich die Geschäfte nicht so gut in letzter Zeit, denn die tunesische Regierung verhängt harte Strafen, so dass Emirs Umsatz um 80 Prozent zurückgegangen ist.

Lampedusa ist immer noch ein wichtiges Ziel für Flüchtlinge, nur starten die Flüchtlinge jetzt eher aus Libyen. Und da ist es nicht Emir, der Familienvater, der seine Kunden an den gewünschten Ort bringt, sondern meistens größere und schlagkräftigere Organisationen, denen ein guter Ruf nicht unbedingt wichtig ist. Eine somalische Organisation zum Beispiel, die auf dieser Route agierte, schreckte auch nicht davor zurück, Flüchtlinge zu entführen, zu erpressen und zu foltern, die Frauen zu vergewaltigen und von den Familien zu Hause Lösegeld zu fordern.

Wer von Afrika nach Europa möchte, muss sich El Douly anvertrauen, einem Ägypter, der in den 1990er Jahren in Bengasi in Libyen ein Restaurant betrieb. Einmal schickte er einen Gast, der nach Ausreisemöglichkeiten fragte, zu einem der Männer, die ihm bekannt waren als Schleuser. Der kam dann in sein Restaurant und bot ihm für die Vermittlung eine Provision, die höher war als das, was er in einem Monat verdienen konnte. So wurde er Mitglied in einem der großen flexiblen Netze des Schleusergeschäfts und machte darin „Karriere“. Und wer die Beschreibung dieses Netzwerkes liest, der wähnt sich mitten in einem ökonomischen Standardwerk:

„An den neuralgischen, strategisch wichtigen Punkten entlang der Flüchtlingsrouten gibt es „Area Manager“, die die einzelnen Phasen des Schleusergeschäftes koordinieren. Sie sind keine kleinen Schleuser mehr, die sich die Hände schmutzig machen. Sie kennen die Routen, die Grenzen, die Leute, die die Drecksarbeit machen. Sie bilden ein gut geöltes Räderwerk, in dem die Einzelnen hervorragend zusammenarbeiten. Die Area Manager verhandeln mit den lokalen Anbietern in den Transitländern über die benötigten Dienstleistungen. Sie sorgen dafür, dass die Leistung bereitsteht: die Beförderung im PKW, die Unterkunft für den Monat, den der Flüchtling auf den falschen Pass warten muss, die Bestechung der Grenzbeamten. Der Area Manager und der Flüchtling gehören häufig derselben ethnischen Gruppe an.“ (S. 109)

Dass die Flucht nach Europa, in die „Festung Europa“, wie es nicht nur in diesem Buch immer wieder heißt, ein ganz gewichtiges ökonomisches Thema ist, das lässt sich in den verschiedenen Kapiteln über die verschiedenen Routen immer wieder deutlich erkennen. Die Flüchtlinge zahlen horrende Summen für jede Etappe ihrer Reise. Manchmal zahlen sie gleich mehrmals, wenn der Schleuser vor Ort sie quasi in Geiselhaft nimmt und seine Leistung nur dann auszuführen bereit ist, wenn sie noch einmal an ihn zahlen. Viele kleine Schleuser, die selbst in Gefahr sind, geschnappt zu werden, verdienen gut an diesem Geschäft, mehr als sie durch jede andere „normale“ Tätigkeit, sei es als Restaurantbesitzer, sei es als Taxifahrer oder Fischer, jemals verdienen können.

Und die ganz großen Bosse, diejenigen, die diese Netze aus Schmugglern befehligen, die verdienen naturgemäß das meiste Geld – ohne sich je die Finger schmutzig zu machen, ohne je ernsthaft in Gefahr zu geraten, in die Fänge der Polizei zu geraten. Sie stehen Netzwerken vor, die extrem flexibel aufgebaut sind, in der der eine Schleuser höchstens einmal denjenigen kennt, von dem er die Flüchtlinge übernommen hat – und somit auch bei Verhören kaum Aussagen machen kann, die dem Netzwerk insgesamt oder gar dem Boss gefährlich werden können; sie stehen Netzwerken vor, in denen die Geld- und Informationsströme genau geregelt sind, natürlich immer so, dass auch Polizei und Justiz in Europa hier kaum einen Angriffspunkt haben; sie stehen Netzwerken vor, in denen auch der einzelne Schleuser in solcher Abhängigkeit ist, dass er, und wenn es zum Schutz seiner Familie ist, gut kontrollierbar bleibt, mafiöse Strukturen eben.

Sie können sich gute Anwälte leisten. Wenn sie überhaupt gefasst werden. Di Nicolo beschreibt die beiden Fälle der Schmuggelkönige Josip Lončarnić, der in den 1990er Jahren einer der Großen im Geschäft gewesen ist und sich zur Ruhe setzte, als er merkte, dass die Regeln strenger wurden, und seinem „Nachfolger“ Muammer Küçük, der zu Beginn des neuen Jahrtausends in seine Fußstapfen trat, von Lončarnić lernte und seine eigenen Strategien vervollkommnete. Lončarnić wurde schnell aus dem Gefängnis entlassen, als man ihn einmal gefasst hatte, Küçük konnte jahrelang unentdeckt arbeiten. Gründe hierfür, so Di Nicolo, sind darin zu sehen, dass die Behörden international zu wenig zusammenarbeiten, manchmal auch schlicht nicht über die gleichen Ermittlungsmethoden verfügen, und manche Länder, eben Herkunfts- und Durchreiseländer, recht desinteressiert sind an der Verfolgung der Schleuser. Das wird nur dann anders wenn sie sich Europa als verlässliche Partner präsentieren wollen, um weitere Geldzahlungen zu bekommen, Waffenlieferungen usw. so wie die ägyptische Militärregierung. Dass im Schatten der Flüchtlinge auch Terroristen über diese Schleusernetzte nach Europa und in die nordamerikanischen Staaten einreisen, ist ein weiteres Problem.

Es ist ein wahrhaft tiefer Blick in die Arbeitsweisen von Schleusern, die uns Di Nicolo und Musumeci gewähren, ein Blick, der überdeutlich macht, was aus der Smith´schen Forderung nach einem freien Markt auch werden kann. Smith hatte im Sinn, dass dann, wenn alle Marktteilnehmer strikt nach eigenen Interessen handeln, also dann, wenn sich Angebot und Nachfrage treffen, ohne staatliche Regulierungen wohlgemerkt, Leistungen ausgetauscht werden, die jedem zum Vorteil gereichen.

„Der einzelne ist stets darauf bedacht herauszufinden, wo er sein Kapital, über das er verfügen kann, so vorteilhaft wie nur irgendmöglich einsetzen kann. Und tatsächlich hat er dabei den eigenen Vorteil im Auge und nicht etwa den der Volkswirtschaft. Aber gerade das Streben nach seinem eigenen Vorteil ist es, das ihn ganz von selbst oder vielmehr notwendigerweise dazu führt, sein Kapital dort einzusetzen, wo es auch dem ganzen Land den größten Nutzen bringt.“ [2]

Diese vermeintlich einfache Sicht auf die Dinge funktioniert vielleicht in einem Dorf mit übersichtlichen sozialen Strukturen, vielleicht sogar mit gemeinsamen ethisch-religiösen Werten, funktioniert aber eben nicht in einem globalisierten Markt, vor allem dann nicht, wenn die Beteiligten sich nicht auf Augenhöhe treffen, weil eine Seite der anderen recht schutzlos ausgeliefert ist. Ein überaus zynischer Markt entsteht, in der ein Menschenleben, trotz der enormen Summen, die hier vom Nachfrager zum Anbieter wandern, nicht viel zählt; ein Markt aber auch, von dem viele Familien, manchmal gar ganze Landstriche gut leben. Und umso besser leben, weil die Preise sofort steigen, das machen die Autoren auch klar, je höher Europa die Sicherheitsstandards setzt, je schwerer Europa es macht einzureisen.

Andres Di Nicola, Giampaolo Musumeci (2015): Bekenntnisse eines Menschenhändlers. Das Milliardengeschäft mit den Flüchtlingen, München, Verlag Antje Kunstmann

[1] http://www.sueddeutsche.de/politik/asylbewerber-deutschland-braucht-hunderttausende-einwanderer-jedes-jahr-1.2611681

[2] Adam Smith: Der Wohlstand der Nationen (1999), München, S. 17; 369-371

14 Kommentare

    • Vielen Dank für Deine lobenden Worte. Über ganz viele Aspekte habe ich ja in meiner Besprechung gar nicht geschrieben. Eine Lektüre lohnt sich also auf jeden Fall.
      Viele Grüße, Claudia

  1. Danke für die Besprechung, liebe Claudia. Und danke, dass Du die Begrifflichkeit „Menschenhändler“ klarstellst, aber auch von „Schleusern“ zu sprechen finde ich schwierig. Der ehrenhafte Begriff des „Fluchthelfers“ – Hunderte Fluchthelfer ermöglichten zwischen 1933 und 1945 Menschen das Entkommen aus Nazi-Deutschland – darf ruhig auch angewendet werden. Auch Fluchthelfer müssen von etwas leben, sie riskieren oftmals ihre Freiheit oder ihre körperliche Unversehrtheit für das, was sie tun. Die schwarzen Schafe, die es unter den aktuellen Fluchthelfern zuhauf gibt, sollten uns nicht übersehen lassen, wie viele Menschen durch diese Fluchthilfe gerettet werden. Dass diese dafür viel Geld lassen müssen, liegt ja nicht im Ermessen dieser verfolgten Menschen: gerne würden sie einfach ein Flugticket aus ihrem Heimatland nach Europa buchen…
    Herzliche Grüße, Tobias

    • Lieber Tobias,
      die Unterscheidung Menschenhändler – Schleuser oder Schmuggler fand ich auch sehr gut, das hatte ich mir vorher so nicht klar gemacht, obwohl man ja eigentlich beim genaueren Betrachten der Wörter schon darauf kommen könnte. Trotzdem zucke ich ein wenig vor dem Begriff des Fluchthelfers in diesem Fall zurück, vielleicht weil ich ihn aus der DDR-Geschichte heraus als sehr positiv sehe, durchaus auch mit sozialen Engagement (das kann jetzt aber auch so eine folkloristische Betrachtung von mir sein, die falsch ist). Die Schleuser, von denen Di Nicolo und Musumeci hier berichten, sehen einfach nur das Geschäft, ein einzelnes Menschenleben zählt da nichts. Das wird in Wolfgang Bauers Reportage „Über das Meer“ noch viel, viel deutlicher (Besprechung dazu kommt noch). Da werden die Flüchtenden gekidnapt, gefoltert, um mehr Geld erpresst, da fährt ein Kapitän mit einem sowieso schon völlig überladenen Holzboot tagelang vor Bengasi herum, nur um von seinem Boss mehr Geld zu erschleichen. Deswegen habe ich ein Problem mit dem Begriff des Fluchthelfers, auch wenn Du völlig Recht hast, dass Schleuser im Endeffekt auch Menschen retten. Aber, wie gesagt, vielleicht habe ich diesen Begriff einfach – und vielleicht auch ein wenig naiv – zu positiv abgespeichert.
      Viele Grüße, Claudia

  2. Liebe Claudia, dein Beitrag über dieses hochaktuelle Buch liest sich spannend wie ein Krimi. Vielen Dank und liebe Grüße!

    • Es ist mir auch beim Lesen so gegangen, dass ich dachte, ich lese einen Wirtschaftskrimi, der jedoch so viele Informationen bereit hält, dass ich sie kaum angemessen wieder geben konnte. Und vor allem gewährt das Buch Einblicke in eine derart kriminelle Welt, dass jeder froh sein kann, der sich nicht in die Hände der Schleuser begeben muss.
      Viele Grüße, Claudia

  3. Die Anwendung des Begriffs Fluchthelfer finde ich – auch wenn ich das Buch nicht kenne – in diesem Fall doch auch schwierig. Oft genug lassen diese Schleuser die Menschen, die aus Not flüchten, auch zurück, setzen sie Lebensgefahren aus etc., wenn Gefahr im Anzug ist, Gefahr, die ihr Geschäft bedroht.
    Und die Flüchtlinge haben ja wenig Alternativen und Auswahl – und zahlen ungeheure Summen, oft alles, was sie haben. Fluchthelfer beinhaltet für mich immer noch eine humane Motivation.
    ich finde die Buchbesprechung – natürlich auch unter dem Eindruck der eben gesehenen Nachrichten – zeigt auf, dass dies, wie Du schreibst, ein „zynischer“ Markt ist. Zu fragen ist aber auch, wohin das steuert, wenn Mazedonien sich abschottet, Ungarn immer fremdenfeindlicher wird, Serbien überfordert ist – wenn also die Zugänge für Menschen auf der Flucht immer enger werden. Wieviele Menschen auf der Flucht noch sterben müssen.

    • Liebe Birgit,
      da scheinen wir ja einen ähnlichen Zugriff auf den Begriff des „Fluchthelfers“ auf der einen Seite, des „Schleusers“ auf der anderen Seite zu haben.Bei wikipedia (https://de.wikipedia.org/wiki/Fluchthilfe) (habe ich gerade aber nur ganz kurz überflogen) wird auch von einem Begriffswandel hin zu den Schleusern gesprochen, eine Entwicklung, die dort in die 1990er Jahre datiert wird.
      Der Markt (auch schon so ein schöner Begriff in diesem Zusammenhang, der aber immer wieder benutzt wird) ist tatsächlich zynisch, die Schleuser würden auch jedes andere Transportgut speditieren, wenn es genauso viel Geld geben würde. Und in Wolfgang Bauers Reprotage wird der Zynismus noch viel deutlicher. Die für unsere Augen und Ohren absolut abstrusen Geschichten scheinen wohl tatsächlich genau so abzulaufen, in Reinhard Kleists Graphic Novel der Geschichte von Samia Yusuf Omar werden sie ganz ähnlich erzählt: nämlich das Kidnappen von Flüchtlingen, um von ihnen, ihren Angehörigen oder dem Chef der Schmugglerbande mehr Geld zu erpressen. Ob Menschenleben dabei zu Schaden kommen – völlig egal, Hauptsache die Kohle stimmt.
      Und Di Nicolo schreibt ganz deutlich, bei Bauer klingt es auch an: je höher die Zäune werden, je schwerer die Einreise gemacht wird, umso höher steigen die Preise für die Dienstleistung des Geschleust-Werdens.
      Ganz nachdenkliche Grüße, Claudia

  4. Liebe Petra,
    das muss man ersta verarbeiten , so wie die ganze Ssituation mit den Flüchtlingen!
    Jedenfalls komt Deine Besprechung diese wichtigen Buches zur genau zum richtigen Zeitpunkt. Sehr gut finde ich Deine Aufdröselug des Begriffes Menschenhändler! Mit diesem Begriff wird in den Medien echt Schindluder getrieben.
    Und ich schliesse mich Birgits Meinung an, nämlich darin, dass Du die ökonomischenZusammenhänge so treffend darstellst, Auch etwas, was die ÖR Medien in diesem Tieffgang komplett unterlassen. Und last not least zeigt sich hier in der Tat die zynische und menschenfeindliche unseres Wirtschaftssystems!
    Vielen Dank für diese wichtige Besprechung
    und liebe Grüsse
    Kai

    • Lieber Kai,
      der Untertitel des Buches heißt ja schon „Milliardengeschäft mit den Flüchtlingen“ und um diesen Aspekt des Flüchtlingsdramas geht es den beiden Autoren ja auch ganz deutlich. Di Nicola ist ja auch in seinem „sonstigen Leben“ mals Kriminologe mit den Tätigkeiten der organisierten kriminalität befasst und kennt sich von daher gut aus im Bereich der „ehrbaren Händler“. Faszinierend und erschreckend für mich sind die Komplexität dieser Organisationen, wie sie., obwohl es ja keine Großkonzerne unter einer einheitlichen Führung sind, über Ländergrenzen hinweg agieren, Informations- und Geldflüsse steuern können und dann auch noch so flexibel sind, dass sie sich ruck-zuck auf veränderte rechtliche oder administrativen Gegebenheiten einstellen können – durch eine absolut professionelle Organisation in kleinen Netzwerken: wird das eine zerschlagen setzt sich an die Stelle sofort ein neues. Und da die Flüchtlinge in einer absolut machtlosen Situation sind, zum Teil ohne Papiere völlig ausgeliefert, sind sie finanziell auspressbar wie eine Zitrone. Und ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie es – wahrscheinlich sogar nicht nur – alleinreisenden Frauen ergeht…
      Liebe Grüße, Claudia

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s