am Rande notiert

Die Sonntagsleserin: KW # 19 2014

Sonntagsleserin_2Die Bücherphilosophin hat die Idee zu dieser allwöchentlich-sonntäglichen Blog-Rückschau über die besonderen Blogleseerlebnisse der vergangenen Woche. Bei der Bücherphilosophin findet Ihr auch eine Liste der anderen Sonntagsleser, bei denen es immer vieles zu entdecken gibt.

Mein Bloglese in dieser Woche stand wieder ganz im Zeichen der Bücher. So habe ich einige Titel entdeckt, die ich gerne lesen würde, andere habe ich schon im Regal stehen, so dass meine Vorfreude nun noch größer ist.

Der Kaffeehaussitzer empfiehlt Peter Englunds Geschichten von neunzehn Menschen, die den Ersten Weltkrieg miterlebt haben und deren Leben er durch das Studium von Tagebüchern, Briefen oder Gesprächen mit Freunden und verwandten recherchiert hat. So entstehen kleine, private Geschichte über „Schönheit und Schrecken“, so der Titel, oder, wie es im Untertitel heißt, „Eine Geschichte des Ersten Weltkrieges“, wie sie in den Geschichtsbüchern nicht erzählt wird, weil uns Geschichtsbücher eben nichts darüber berichten, wie es den einzelnen Menschen ergangen ist: „Viel näher“, so schreibt Uwe resümierend, „ kann man der Zeit zwischen 1914 und 1918 nicht kommen.“

Auch auf Herberts Bücherblog, auf dem wir hören und sehen können, was Herbert liest, ist dieses Mal der erste Weltkrieg ein Thema, denn Herbert stellt uns Jean Echenoz Roman „14“ vor. Außerdem empfiehlt er  Teju Coles „Open City“ und ein vegetarisches Kochbuch von Yotam Ottolenghi.

Buecherrezensionen hat die literarischen Reportagen der argentinischen Journalistin Leila Guerriero gelesen, die den Lesern die Geschichten von Einzelpersonen vorstelle, so die eines im Rollstuhl sitzenden ehemaligen Wrestlers oder einer Giftmörderin, aber auch die Geschichte von Anthropologen, die versuchen, den Opfern der argentinischen Militätjunta einen Namen zu geben, indem sie ihre Knochen untersuchen und identifizieren. So schaffen es die Reportagen, so der Autor, uns einen „Einblick in die Gesellschaft des südamerikanischen Kontinents“ zu geben und zeige nebenbei noch, dass die Wirklichkeit (…) weiss man sie nur richtig zu erzählen, (…) eine schier unermessliche Fülle an Phantastischem in sich trägt.“

Mara hat sich der über 1000 Seiten des „Distelfinken“ angenommen – und ist begeistert von Donna Tartts Roman: „Es gibt keinen Satz, den man auch hätte streichen können“, so beurteilt sie die Geschichte um Theo Decker, der dreizehnjährig seine Mutter bei dem Besuch eines Museums verliert und dabei ihr Lieblingsbild vom Distelfinken, das sie beide gemeinsam betrachtet haben, mitgehen lässt und das den Romanhelden in seinem Leben weiter begleitet.

Gérard hat sich in Leonardo Paduras Roman „Ketzer“ gemeinsam mit Mario Conde, dem ehemaligen Polizisten, der sich nun eigentlich mit Kauf und Verkauf von antiquarischen Büchern beschäftigt, das Herumstöbern und Enträtseln aber auch nicht sein lassen kann, auf die Spur des Rembrandt-Bildes „Christuskopf“ gemacht, das der jüdischen Familie des Malers Elias Kaminsky gehörte. Auf den Spuren dieses Bildes wird die Familiengeschichte der Kaminskys beleuchtet, eine Flüchtlingskatastrophe im Hafen Havannas, aber auch Ketzervorwürfe aus dem 17. Jahrhundert. Ein „Manifest für Menschlichkeit, Toleranz und Freiheit“, so urteilt Gérard über diesen Roman. Ja, kann ich da nur sagen, der Roman steht schon im Regal und wartet.

Über John Williams Roman „Stoner“, der schon 1965 erstmalig veröffentlicht, nun aber erst ins Deutsche übersetzt worden ist, ist schon auf vielen Blogs viel Positives zu lesen gewesen. Auch buechermaniac hat der Roman so beeindruckt, dass sie gleich mal einen offenen Brief an den Autor schreiben musste, in dem sie notiert, dass nicht nur die Geschichte sie mitgerissen habe, sondern auch die Tatsache nachdenklich stimme, dass der Roman ja schon fast fünfzig Jahre alt sei, er damals aber keinen großen Erfolg hatte.

Zum Schluss sei noch auf die Gedanken des Verlagskaters Jethro zum „Tag der Arbeit“ verwiesen. Jethro hat seinen Artikel zwar schon in der letzten Woche veröffentlicht, ich habe ihn aber irgendwie übersehen – vielleicht wegen zu viel Arbeit rund um den tag der Arbeit :-).

Eine wunderschöne Lesewoche wünscht Claudia.

2 Kommentare

  1. Bücherphilosophin sagt

    Wie schön Dich wieder dabei zu haben 😉
    Der offene Brief von der lesewelle war mir diese Woche ebenfalls aufgefallen. Ansonsten habe ich bei Dir wieder mal viel zu gucken und zu durchstöbern. Also fange ich am besten gleich damit an…

    Hab einen schönen Sonntag,
    Katarina 🙂

    • Dann wünsche ich Dir viele schöne neue Eindrücke! Und einen schönen Sonntag!
      Viele Grüße, Claudia

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