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Das apokalyptische Stöckchen

ApokalypseObwohl doch nun das Wetter besser wird und alle Leser und Blogger die freie Zeit draußen verbringen sollten, fliegen sie immer noch, die Blog-Stöckchen. Ein ganz besonderes hat mich gerade erreicht, denn es malt sich gleich mal  die Apokalypse aus. Tobias, von dem die Idee, was in apokalyptischen Zeiten als Buchliebhaber am dringendsten zu tun sei, stammt, beschreibt sie so:

Wenn du drei Bücher vor der Apokalypse, die alle anderen Bücher auf dem Planeten zerstört, retten könntest – welche wären es?

Und Tobias hat dann gleich noch ein paar Regeln mitgeliefert – Ordnung muss im Angesicht des Weltuntergangs schließlich sein: es dürfen wirklich nur drei Bücher genannt werden (und schon beginnt man zu grübeln, wie man diese Regel elegant unterlaufen kann: ist eine Gesamtausgabe etwa als ein Buch zu werten, welche mehrbändigen Werke sind auch einbändig erschienen?, wie schaffe ich es also, möglichst viel Lesestoff zu retten?), es muss erklärt werden, WARUM es genau diese drei Werke sind und die Begründung darf nicht mehr als 140 Zeichen pro Buch lang sein (wie sympathisch).

Nun warf mir Sophie dieses apokalyptische Stöckchen in einer durch häufige und lange Zahnarzttermine der Apokalypse sehr ähnlichen Zeit zu und ich konnte die im Zahnarztsessel bei merkwürdigen Geräuschen sinnlos verbrachten Stunden immerhin mit der schönen Aufgabe bestreiten, mir zu überlegen, welche drei Bücher ich denn im Falle einer kurz bevorstehenden Apokalypse schnell mal in meinen Rescue-Rucksack packen würde.

Und dies ist bei der Überlegung zwischen Anästhesie, Wurzelbehandlung und Abdruck herausgekommen, wobei ich frank und frei erkläre, dass ich nur meine Interessen in den Vordergrund gestellt habe und mir angesichts der langsam erschlaffenden Gesichtsmuskeln völlig egal war, ob ich durch die Auswahl an der Erhaltung der mitteleuropäischen Hochkultur teilhabe oder nicht :

1. Uwe Johnson: Jahrestage (und zwar nicht in meiner vierbändigen, sondern in der auch verfügaberen einbändigen Ausgabe! Werde ich mir für den Fall der Fälle auf jeden Fall noch besorgen und an promineter Stelle zum schnellen Einpacken bereit halten:-) ),

weil hier die Erinnerung an die politischen und gesellschaftlichen Verwerfungen von über 50 Jahren lebendig bleibt.

2. Max Frisch: Gesammelte Werke, Bd 4, auch wegen Homo faber,

weil so die Erinnerung an mythos und logos sowie ihr Wirken erhalten bleibt.

3. Kathrin Schmidt: Du stirbst nicht,

weil hier nachzulesen ist, dass es sich auch in apokalyptischen Zeiten lohnt zu kämpfen.

Das ist also das Ergebnis meiner sanft narkotisierten Grübeleien.

Nun bitte ich noch, das ist die letzte Regel, nämlich zwei weitere Mitstreiter zu benennen, Anna von buchpost und Jacqueline von masuko13 mitzuhelfen, unsere Literaturauswahl nach der Apokalypse zu bereichern.

11 Kommentare

  1. Zwei der Bücher hätte ich mir beinahe bei Dir denken können. Mit der Kathrin Schmidt hast Du mich überrascht – ich hab das Buch gelesen, vor Jahren, aber leider keine klare Erinnerung mehr daran. Jedenfalls: Du darfst mit in die Apakolpyse, die Bücher sind ok 🙂

    • Ich habe ja auch noch über Thomas Manns „Joseph und seine Brüder“ nachdedacht, nachdem ich gesehen habe, dass es den Roman auch einbändig gibt. Damit wäre ja auch der Bereich mythos und logos abgedeckt. Und was Kathrin Schmidt betrifft: Ein bisschen Überraschung muss ja auch sein!
      Viele Grüße, Claudia

  2. Schöne Auswahl, sag ich zumindest mal so, denn ich kenne leider keines der genannten Bücher – dieses Blogstöckchen wächst langsam zu einer Gefahr für meine Wunschliste heran. 😉

    • Liebe Mara,
      und, wie ich auf Kais Blog gelesen habe, planst Du ja schon für Deine in ganz ferner Zukunft liegende Rente und hast dann auch schon eine schöne Liste vorliegen 😀 . Aber vielleicht findest Du ja irgendwann vorher schon einmal Kathrin Schmidts wunderbares Buch über ihren Kampf zurück ins Leben nach ihrer Gehirnblutung. Mut machend, melancholisch, kämpferisch, nachdenklich – und sprachlich ganz klasse, vor allem, wenn sie uns ja mit so klaren Worten beschreibt, was sie fühlt und erlebt, zu der Zeit aber selbst gar nicht sprechen kann.
      Viele Grüße, Claudia

  3. Liebe Claudia,
    vor allem erst einmal großen Respekt, unter diesen zahnärztlichen Umständen noch so ein schönes Blogstöckchen zustande gebracht zu haben. Mir geht es dabei immer so, dass mein Hirn gar nicht mehr funktioniert, wenn jemand an oder gar IN meinem Kopf und an meinen Zähnen herumhantiert…
    Deine Auswahl ist, was die ersten beiden Titel betrifft, aus meiner Sicht natürlich genial, Die Jahrestage hatte ich schon heimlich eingepackt, die kann ich ja jetzt wieder auspacken. Und Homo Faber ist wunderbar, hast Du vielleicht still und heimlich noch Stiller und Montauk und die Blätter aus dem Brotsack und die Tagebücher eingepackt? Drei Bücher bloß, ist eigentlich ne Zumutung…
    Ja, und das Buch von Kathrin Schmidt kannte ich noch gar nicht, steht aber ab sofort auf meiner Liste.
    Liebe Grüße, Kai

    • Lieber Kai,
      ich musste einfach mal ein bisschen leise jammern, denn eigentlich ist der Zahnarzt, auch wenn er zum Brückenbauer und Kronenaufsetzer wird und dafür so seine Zeit braucht, im Vergleich zu den Heilern anderer Krankheiten dieser Welt noch ein ziemlich harmloser Geselle. Und da sind wir auch schon bei Kathrin Schmidt, die in ihrem Buch – sehr, sehr lesenswert, denn die Sprache ist einfach klasse, man merkt, dass sie auch Lyrikerin ist, da passt einfach jedes Wort – über ihre Krankheitsgeschichte nach einem Aneurysma erzählt, wie sie sich nämlich Schritt für Schritt zurückkämpft in ein möglichst normales Leben und wie zynisch der Krankenhausbetrieb da zum Teil mit umgeht. – Und natürlich habe ich gleich die komplette Werkausgabe Max Frischs in meinen Überlebensrucksack gepackt :-D, an Tobias Argusaugen vorbei, damit wir wenigstens etwas Gutes zu lesen haben nach der Apokalypse.
      Viele Grüße, Claudia

      • ah, die komplette Frisch-Werkausgabe, dann kann nix mehr passieren. Ich habe mir jedenfalls das Buch von Kathrin Schmidt auf die Liste genommen, zu derartigen Themen hab ich ja irgendwie quasi werkimmanent eine Neigung, auch wenn es leider ziemlich viel, sagen wir mal ‚Zeus‘ in dem Bereich gibt.
        Übrigens kann ich ansonsten Mara in ihrem Kommentar nur zustimmen: dieses Blogstöckchen droht nun langsam gefährlich zu werden, so wie das explodiert ist. Es kommen auf einen Schlag haufenweise neue Sachen dazu, aber wir wollen nicht klagen, es hätte schlimmer kommen können…
        Liebe Grüße, Kai

    • Mir hat das apokalyptische Stöckchen viel Freude gemacht, endlich mal nicht die Überlegung, welche Bücher ich auf die einsame Insel mitnehmen würde :-). Und ich finde es auch sehr spannend zu lesen, welche Bücher bei dieser Rettungsaktion zusammengetragen wurden. Da kommt schon eine schöne Bibliothek zusammen, die uns das post-apokalyptische Leben erleichtern wird.
      Dir wünsche ich auch wunderschöne Ostertage, Claudia

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