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Die Sonntagsleserin: KW # 10 2014

Sonntagsleserin_2Die Bücherphilosophin hat die Idee gehabt, mittlerweile berichten immer mehr Blogger in ihren allwöchentlich-sonntäglichen Rückschauen über die besonderen Blogleseerlebnisse der vergangenen Woche. Bei der Bücherphilosophin findet ihr auch eine Liste der anderen Sonntagsleser, bei denen es immer vieles zu entdecken gibt.

Meine Bücherlese stand in dieser Woche unter dem Zeichen der Interviews und der zweifach besprochenen Romane – zum Teil mit erfreulich unterschiedlichen Wertungen.

Interviews

EinInterviewdokumentiert Vera auf ihrem Blog glasperlenspiel 13 mit Mario Früh, dem Geschäftsführer der Büchergilde Gutenberg. Sie sprechen über die Besonderheiten seiner Arbeit bei der Büchergilde und die besonderen Rahmenbedingungen an die sich die Büchergilde mit Blick auf die erstpublizierenden Verlage halten muss, über die Entstehungsidee der Büchergilde und den Anspruch einer jeweils besonderen Gestaltung der Bücher. Und auf einen weiteren Interviewteil können wir uns auch schon freuen.

Caterina berichtet seit zwei Wochen über die verschiedenen Veranstaltungen des Mannheimer Literatur-Festivals hören.lesen. In dieser Woche hat sie mit den beiden Organisatoren Sören Gerhold und Katharina Tremmel über die Entstehung und die jetzt nun schon zum achten Mal durchgeführten Literaturtage gesprochen, über den Erfolg, Neuerungen und Ausblicke für das kommende Literaturfest im nächsten Jahr.

Doppelte Lektüren

Wie ein Roman aus zwei Blickwinkeln besprochen wurde, das konnten wir in dieser Woche gleich dreimal erlesen – und nur einmal sind sich die Rezensenten einig gewesen.

Bei deepread und leseschatz ist Fabian Hirschmanns Roman „Am Ende schmeißen wir mit Gold“, nominiert für den Leipziger Buchpreis, gelesen worden. Karo ist nicht so ganz überzeugt, dass sie schon wieder einen Coming-of-Age-Roman lesen soll und fragt sich auch nach ihrer Lektüre, was die Jury des Leipziger Buchpreises wohl bewogen haben mag, diesen Roman zu nominieren, der doch nach Goethe, Kracht und Herrndorf kaum etwas enthalte, was nicht schon in einem Entwicklungsroman, noch dazu einem „on the road“, zu lesen war. Bei leseschatz ist man da ganz anderer Auffassung. Hier hat der Roman offensichtlich nicht nur „zum Schmunzeln gebracht“, sondern auch der immer nachdenklicher werdende Erzählton überzeugt.

Auch Feridan Zaimoglus Roman „Isabel“ fand in den letzten Tagen, wohl auch wegen ders großen Anerkennung in der FAS, gleich zwei Leser. Tilmann zeigt sich nach der Lektüre sehr enttäuscht, sowohl von der Geschichte – auch das Thema des sozial benachteiligten Menschen in den Randbezirken von Berlin sei ja nun nicht so wirklich neu – als auch von der sprachlichen Gestaltung. Zu einer ähnlich negativen Beurteilung kommt auch Norman, bei dem sich „überhaupt kein Lesegenuß“ eingestellt habe: „Unangenehm, unbequem, aber mehr auch nicht“.

Zwei, diesmal wieder sehr disparate Besprechungen, gab es zu Ulrike Draesners nun im März erscheinenden Roman „Sieben Sprünge vom Rand der Welt“.  Sophie lobt, dass sich der Roman „empathisch und behutsam (…) auf Spurensuche“ begebe, um die Traumata und ihre Wirkung der durch Krieg Vertriebenen am Beispiel einer Familie und mehrerer Generationen aufzuspüren, und kennzeichnet Draesners Sprache als „fein und poetisch“. Dieser Meinung kann sich Tilmann überhaupt nicht anschließen. Ihn ärgert gerade die Sprache so sehr, dass er weder dem Thema noch den Protagonisten auch nur ansatzweise nahekomme und das Buch nach einigen Seiten zur Seite legen musste.

Einzelne Lektüre

Und zwei Einzelbesprechungen haben mich auch noch besonders erfreut:

Weil ich selbst den Roman noch auf dem ungelesenen Stapel liegen habe, hat es mir besonders  Tobias´ Besprechung von Rafael Chirbes Roman „Am Ufer“  angetan. Tobias erzählt über den in Spanien spielenden Roman zur Finanzkrise, der die Auswirkungen der Geldspielereien in ganz großem Stil auf die Existenz der Menschen in Olba auslote, aber auch über ihre Schwächen, Fehler, ihre Schuld erzähle. Er ist begeistert über diesen „höchst sinnlichen Text, der uns ungeschönt erfahren lässt, was das Leben in diesen Zeiten bedeutet und dass eine Krise wie die Eurokrise zwar nicht von Menschen gewollt, aber dennoch von Menschen gemacht ist.“ Wie schön, dass ich das Lesevergnügen noch vor mir habe, wie schön, dass es endlich einen Roman zur Finanzkrise gibt, einmal nicht aus der Sicht der Banker.

Und wer nicht nur nachvollziehen möchte, warum Navid Kermanis Roman „Große Liebe“ auf der SWR-Bestenliste auf dem ersten Platz gelandet ist, sondern auch noch erfahren möchte, welche subversive Kraft Literatur im besten Fall entfalten kann, dem sei der Beitrag von Birgit über ihre Lektüre empfohlen: „Navid Kermani (…) ist ein Springteufel. Der hat mich kalt erwischt.“

In diesem Sinne wünsche ich Euch eine wunderbare Lesewoche!

4 Kommentare

  1. Doppellektüren – das ist mir diese Woche auch aufgefallen, toll, dass Du diesem ein Kapitel widmest. Nun, Isabel ist bei mir schon von der Wunschliste gestrichen, Ulrike Draesner will ich auf jeden Fall lesen. Der Facebook-Austausch von Sophie und Tilmann dazu ist auch eine Erwähnung wert – so machen ja Diskussionen über Bücher auch Freude!

    • Liebe Birgit,
      ja, das doppelte „Urteil“ zu Isabel lädt wirklich nicht zum Lesen ein. Ist ja auch mal eine gute Nachricht für die ungelesenen Bücher. Und auf Facebook muss ich dann mal schauen, was die beiden so schreiben. Danke für den Tipp!
      Einen schönen Sonntagabend wünscht Claudia

  2. Herzlichen Dank für die Erwähnung der Chirbes-Rezension! Ich hoffe, Du wirst den Roman nach Lektüre auch besprechen und bin schon auf Deine Gedanken gespannt!
    Viele Grüße
    Tobias

    • LIeber Tobias,
      Chirbes liegt ganz oben auf dem Stapel und da wir ihn für mein „literarisches Quartett“ Ende des Monats lesen, muss ich mich auch bald „Ans Ufer“ begeben :-). Und hoffentlich gefällt mir der Roman so gut wie Dir – meine Erwartungshaltung ist ja nun entsprechend hooooch.
      Viele Grüße, Claudia

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