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Michael Köhlmeier: Idylle mit ertrinkendem Hund

Köhlmeier_IdylleDer Lektor hat für den Schriftsteller eine ambivalente Funktion: Er hilft bei der Erstellung des Romans, unterstützt, liest kritisch, gibt Anregungen, motiviert und begleitet so den gesamten Schaffensprozess. Er ist aber auch derjenige, der alle Schnitzer sieht, jede inhaltliche und sprachliche Schwäche erkennt und aufdeckt, den Schriftsteller immer wieder mit seinen Unzulänglichkeiten konfrontiert und trotzdem natürlich eine jederzeit konstruktive Zusammenarbeit erwartet. So ambivalent sieht auch Michael Köhlmeier, der Ich-Erzähler, der keinen Hehl daraus macht, auch der Autor zu sein, seinen Lektor, Dr. Johannes Beer. Dr. Beer ist in der Branche ein anerkannter Experte, ein Lektor, um den ihn andere Schriftsteller durchaus beneiden. Aber es ist auch nicht immer die reine Freude, mit ihm, dem Genauen, dem Anspruchsvollen, zusammenzuarbeiten. Und so erzählt Köhlmeier seiner Frau Monika, dass der Lektor den Autor die Passage, die sprachlich nicht so gelungen scheint, vorlesen lasse – wenn der Autor uneinsichtig sei, durchaus mehrmals:

Wenn ich meiner Stimme zuhörte, die bei dieser Prozedur nichts anderes war als ein Messgerät zum Aufspüren meiner eigenen Unzulänglichkeit, dann kam es vor, dass ich mich zu ängstigen begann vor jener geheimnisvollen (dieses Wort hasste er wirklich) Person, die ich selber war, die unter meinem Namen bekannt war und der augenscheinlich mehr Dasein zukam als mir selbst, der ich lediglich die Rolle des Assistenten von Dr. Johannes Beer zu spielen hatte. (S. 22)

Zu Dr. Beer ist der Autor bisher zu Arbeitstreffen immer nach Frankfurt gereist. Auch dort, in Beer Büro, in dem die ganze Weltliteratur in den Regalen versammelt steht, haben beide kaum ein privates Wort miteinander gewechselt, über das Wetter höchstens und den Nahverkehr. Und Köhlmeier hat den Verdacht, dass auch im Verlag niemand so recht weiß, was der Lektor nach der Arbeitszeit macht, was ihn interessiert, wie er wohnt, wie er überhaupt nach Hause kommt und ob da jemand auf ihn wartet. Umso überraschender ist es für Köhlmeier dass Dr. Beer ihm bei Telefongespräch nicht nur das „Du“ anbietet, sondern sich auch noch bei ihm zu einem dreitätigen Haubesuch ankündigt. Und „der Johannes“, wie er den Besuch seiner Frau vorstellt, benimmt sich tatsächlich wunderlich: Er versteht sich auf Anhieb mit Monika – und sie sich mit ihm -, was Köhlmeier doch ziemlich befremdet. So lässt Monika ihm eine besondere Führung durch ihren Urwald zukommen, einer Ansammlung vieler Pflanzen, die im Wintergarten üppig wachsen und hier, ergänzt durch das ein oder andere wilde Tier aus Kunststoff, einen Dschungel gebildet haben. Johannes Beer ist völlig aus dem Häuschen, er bewegt sich tänzelnd durch das Pflanzenparadies und stößt, wenn er etwas Besonderes entdeckt hat, spitze Schreie der Begeisterung aus.

Aber nicht nur Dr. Beer führt sich merkwürdig auf. Auch die Natur ist in diesem Januar 2006 aus den Fugen geraten: Erst hat es so viel geschneit, dass in Bad Reichenhall das Dach der Eishalle durch das Gewicht der Schneemassen zusammengebrochen ist, und nun wird die Situation für viele Dächer, Bäume und Äste noch prekärer, denn Föhn hat eingesetzt und mit ihm Regen, so dass das niederdrückende Gewicht des Schnees noch mehr zunimmt. Und auch Dr. Beer erzählt die Geschichte (s)einer denkwürdigen Begegnung in der Natur. Auf seinem Spaziergang, er hat darum gebeten, jeden Tag alleine losgehen zu können, trifft er hinter der Autobahnbrücke einen großen dunklen Hund. Er, der solche Angst vor Hunden hat, freundet sich dann aber, geschützt auf der anderen Seite des Zaunes stehend, mit ihm an, der Hund wirkt ja auch kein bisschen bösartig und will ganz offensichtlich Kontakt mit ihm haben. Irgendwann verfüttert Dr. Beer seinen Wanderproviant an den Hund und dann schließt sich der große Hund wie selbstverständlich dem Spaziergänger an. Am Ende der Runde, als sie wieder bei der Autobahnbrücke sind, bleibt der Hund sitzen und lässt Dr. Beer gehen. Der ist natürlich voller Stolz auf seine Heldengeschichte und erzählt sie an diesem Abend mindestens vier Mal.

Am nächsten Tag bittet Beer Köhlmeier, dass sie zusammen wandern, er möchte gerne zum Alten Rhein gehen. Dort sehen sie auch den Hund wieder, mitten auf dem Eis steht er und läuft freudig los, als er Dr. Beer sieht. Kurz vor dem Ufer bricht das Eis unter ihm und alle Versuche, sich aus der misslichen Situation mit strampelnden Hinterpfoten zu befreien, scheitern. Beer läuft los, um Hilfe zu holen und Köhlmeier robbt zu dem Wasserloch, um zu versuchen, den Hund, der nun immer schwächer wird, hinauszuziehen. Auch Köhlmeier bricht noch ins Eis, den Hund, der sich an seinem Ärmel festgebissen hat, immer noch umklammernd.

Michael Köhlmeiers Geschichte ist wunderbar unprätentiös erzählt. Der Ich-Erzähler beschreibt die Tage des Besuchs und seine Gedanken, Erinnerungen, Reflexionen. Er skizziert Natur und Mitmenschen mit wenigen kunstvollen Strichen, die beim Leser aber ein pralles Bild erzeugen. Und die Rettungsszene, die nicht die letzte Szene der Geschichte ist, ist, auch wenn man um den Ausgang weiß, so spannend erzählt, dass man sie – atemlos – in einem Zug lesen muss.

In Michael Köhlmeiers Geschichte gibt es, dem Titel zum Trotz, keine Idylle. Die unwirtliche Natur lässt kein Gefühl von Idylle aufkommen, vielmehr stecken Schnee und Eis voller Gefahren. Die unterschätzt der Hund und bricht, weil er die Menschen gesehen hat und schnell zu ihnen hinlaufen möchte, ins Eis. Und in der Innenwelt der Menschen herrscht auch keine Idylle. Monika und Michael Köhlmeier nämlich haben ihre Tochter Paula verloren, vor zweieinhalb Jahren erst ist sie beim Klettern am Berg abgestürzt, in der Natur, wegen der Natur. Und die Trauer, mit der die beiden so unterschiedlich umgehen, ist in ihrem Alltag allgegenwärtig, in ihren Gedanken sowieso.

So hat Köhlmeier eine Geschichte über den Umgang mit der Trauer geschrieben. Das Thema zeigt sich wieder und wieder, in Geschichten, in Erinnerungen, in einem fiktiven Gespräch mit Dr. Beer, das Köhlmeier sich so zu führen wünscht und in der Realität doch nie führt, in der Rettungsszene vor allem, in der er die Pfoten des Hund umklammert, ihn dann unter den Achseln packt, um seinen Kopf über Wasser zu halten, und festhält, obwohl er immer deutlicher erkennt, dass er sich so selbst in große Gefahr begibt und besser loslassen sollte.

In einer Geschichte, in der Autor und Lektor tragende Rollen spielen, geht es aber natürlich auch um Literatur, um ihre Kraft, um ihre Entstehung, darum, wie reale Geschichten, wie Trauer, zu Literatur werden kann. Und es geht, immer wieder, um das Verhältnis von Dichtung und Wahrheit, um wahre Begebenheiten und ihrer Gestaltung und Veränderung im Prozess des Literaturwerdens. Das Spiel mit Dichtung und Wahrheit beginnt bei dem Erzähler, der dem Autor und seiner Biografie, vielleicht auch seinen Lebensgewohnheiten sehr nahe kommt und der Frage, ob es den merkwürdigen Lektor Dr. Beer, so wie er erzählt wird, wohl auch tatsächlich gibt. Das Spiel zieht sich durch die kleinen Geschichten, die immer wieder erzählt werden, und endet bei der Frage, wie wahr beide Erlebnisse mit dem Hund sind.

Und dann ist da auch noch die Frage nach der Rolle des Lektors, nicht nur die ambivalente Rolle, die er in der Realität für einen Autor hat, sondern die Rolle Dr. Beers in dieser Geschichte: Ist er König Lears Narr, wie sich Dr. Beer selbst bezeichnet, als er jauchzend in Monikas Urwald steht, also derjenige, der auch schon einmal auf unangenehme Wahrheiten hinweist, oder ist er doch eher eine Figur wie Mister Verloc aus dem „Geheimagent“ von Joseph Conrad, seinem literarischen Lieblingsheld?

Ich hatte ausgerufen: „Verloc? Er ist der Teufel!“ Worauf er: „Leider ersparen Sie mir nicht die Peinlichkeit, Sie darauf aufmerksam zu machen, dass es sich bei dieser Geschichte nicht um das Leben, sondern um Literatur handelt. (S. 105)

Michael Köhlmeier hat eine kleine, feine Geschichte über den Besuch des (alten) Lektors geschrieben, die leicht gelesen ist, aber in den Tagen nach der Lektüre, beim Bedenken und Nachdenken über sie, erst ihre volle Wirkung entfaltet.

Michael Köhlmeier (2008/2010): Idylle mit ertrinkendem Hund, Frankfurt am Main, dtv

Eine weitere Rezension, die mich zum Lesen angeregt hat, gibt es hier. Am Ende der Besprechung finden sich viele Surftipps rund um Michael Köhlmeier und seine Novelle.

29 Kommentare

  1. schifferw sagt

    Hat dies auf Wortspiele: Ein literarischer Blog rebloggt und kommentierte:
    Über diese Rezension freue ich mich besonders, ist doch Michael Köhlmeiers Roman „Idylle mit ertrinkendem Hund“ vom Literaturhaus Köln und dem Kölner Stadtanzeiger zum diesjährigen „Buch für die Stadt“ gewählt worden. Nach der Eröffnungsmatinee mit dem Autor am 10. November werden sich viele weitere Veranstaltungen in Köln und im Umland diesem Buch widmen. Sie alle sind zu erfahren über den Literaturkalender Köln.

    • Lieber Wolfgang,
      vielen Dank für Deinen „Reblog“ (was für ein Wort!) und den Hinweis auf das Kölner Projekt „Buch für die Stadt“. Über den Link auf Deiner Seite zum Literaturkalender habe ich die Veranstaltung am 10.11. schon gefunden und in meinen Kalender eingetragen. Die „Idylle“ ist mein erstes Köhlmeier-Buch gewesen und „Joel Spazierer“ wartet immer noch auf meinem Stapel auf seine Lektüre. Und so würde ich den Autor schon gerne einmal bei so einer Veranstaltung erleben.
      Viele Grüße, Claudia

      • schifferw sagt

        Liebe Claudia,
        merkwürdig, diesen Deinen Kommentar finde ich nicht auf der Seite im Blog – nur den späteren… Und den werde ich sogleich dort kurz beantworten. Auf bald also, Wolfgang

      • Lieber Wolfgang,
        ich habe nur geschaut, welche Veranstaltungen zu finden sind bei Deiner schönen Sammlung von Links zum Literaturkalender und zu den Literaturhäusern – aber habe nichts geschrieben.
        Viele Grüße, Claudia

  2. Liebe Claudia,

    ich danke dir sehr für diese lesenswerte und sehr interessante Geschichte. Obwohl ich selbst keine Kinder habe, dafür aber einen Hund, berühren mich diese Geschichten des Verlustes immer sehr. Erst vor kurzem habe ich „Tonio“ gelesen, einen Requiemroman für den verstorbenen Sohn des Schriftstellers A. F. Th. van der Heijden. Ähnlich berührend ist der Roman „Aus der Zeit fallen“ von David Grossman, bei seiner Lesung hier in Bremen hatte mehr als die Hälfte des Publikums Tränen der Rührung in den Augen. Dieses Buch von Michael Köhlmeier steht bereits seit der Besprechung von Kai auf meiner Wunschliste, nun werde ich es, dank deiner Erinnerung daran, hoffentlich bald lesen.

    Liebe Grüße
    Mara

    • Liebe Mara,
      ich habe mich ja immer vor diesem Buch gedrückt, weil ich dachte, der schon im Titel auftauchende Hund würde die Novelle nicht überleben. Und solche Geschichten, gerade wenn sie dann auf Rührseligkeit setzen, mag ich nicht – schon gar nicht mit Hunden oder Katzen. Nach Kais wunderbarem Beitrag, und er hat es mir ja auch noch einmal extra im Kommentar bestätigt, war ja aber klar, dass es mit dem Hund nicht zum Äußersten kommt. Und nach dem Lesen könnte man (Bei einem Hundespaziergang) sogar darüber nachdenken, ob diese Geschichte in der Geschichte der Novelle überhaupt passiert ist, denn es gibt eine Wendung in der Art des Erzählens, sowohl in einer Geschichte des Lektors, in der es um den Hund geht, als auch in Köhlmeiers Bericht der Rettung. Die ganze Novelle behandelt ja nicht nur das Trauern, sondern auch die Literarisierung. Und sie ist einfach großartig geschieben. Eine wunderbare Erholung nach der ein oder anderen Schwieirgkeit, die mir die Longlisttitel bereitet haben :-). Und so kann ich „Idylle“ nur ganz doll empfehlen.
      Viele Grüße, Claudia

      • Daniela sagt

        Ein ganz und gar wunderbares Buch ist das! Mir ging es ähnlich, ich wollte es eigentlich nicht lesen (obwohl ich Köhlmeier schon lange sehr schätze). Bis es mir dann geschenkt wurde… Ich denke auch, die Geschichte mit dem Hund ist nur ein Bild. Und selbst ich, die ich Tiere lieber aus einer sicheren Distanz betrachte und keinen emotionalen Bezug zu ihnen habe, war sehr sehr angerührt… Aber vor allem hatte mich die Trauer um die Tochter gefangen. Ein Kleinod, dieses schmale Büchlein! Schön, dass du es hier so ausführlich vorgestellt hast!

      • Liebe Daniela,
        vielen Dank für Deinen lieben Kommentar. Ich finde auch, und je länger die Lektüre zurückliegt, umso mehr scheint sie in mir zu wirken, dass es ein ganz wunderbares Buch ist und zeigt, dass Köhlmeier „es wirklich drauf hat“, denn es ist ja gerade schwierig, die kurze Form zu können und das in so wunderbarer – und auch so vielschichtiger – Art. Ich freue mich schon sehr auf „Joel Spazierer“, bei dem mich nur, ganz im Gegenteil zur „Idylle“, die vielen Seiten im Moment ein wenig verschrecken. Ee wird wohl ein Urlaubsbuch werden. Ich habe den Roman Anfang des Jahre in Deinem Leselust-Forum entdeckt, und seitdem ist immer wieder ein anderes Buch der lektüre zuvorgekommen.
        Viele Grüße, Claudia

  3. Es ist schon eine Weile her, dass ich das Buch gelesen und rezensiert habe, umso mehr freut es micht nun immer mehr Leser zu entdecken, die sich zu diesem wunderbaren Buch äußern. Danke für die Auffrischung 🙂

    • Ich denke, es kommt gerade noch einmal wieder Schwung in die Lektrüe, weil es eben in Köln in diesem Herbst als „Buch für die Stadt“ ausgewählt worden ist. Und es lohnt sich ja auch wirklich, es zu lesen – und auch, sich die Erinnerung auffrischen zu lassen 😉 !
      Viele grüße, Claudia

    • Ja, der „Spazierer“ liegt hier auch und schaut mich unzufrieden, weil ungelesen, an. Mich schrecken im Moment die vielen Seiten, aber im nächsten Monat… Dir ganz viel Lesespaß bei der Lektüre!
      Viele Grüße, Claudia

  4. Oh, kommt ganz oben auf die Liste. Vielen Dank, ich wäre achtlos daran vorbei gegangen, aber deiner Besprechung ist nicht zu widerstehen. LG Anna

  5. >>Michael Köhlmeier hat eine kleine, feine Geschichte über den Besuch des (alten) Lektors geschrieben, die leicht gelesen ist, aber in den Tagen nach der Lektüre, beim Bedenken und Nachdenken über sie, erst ihre volle Wirkung entfaltet.<<

    Ich habe das Buch beim Erscheinen gelesen, und jetzt, wo du es hier vorstellst, stimmt dieser Satz total! Das Buch ist so genial, dass ich den Inhalt noch behalten habe, und das ist eine ganze Menge bei Viellesern 😉 Ich sollte es mal wieder lesen! Danke für diese Rezi.

    LG
    Krümel

    • Vielen Dank für Deinen so freundlich-zustimmenden Kommentar! Die „Idylle“ ist ein wirklich tolles Buch und ich bin richtig froh, dass ich es nun endlich gelesen habe. Vielleicht kommst Du ja wirklich dazu, es noch einmal zu lesen. Eigentlich ist es ja eines der Bücher, bei denen das Zweitlesen keine Langweile verspricht, sondern gerade noch viel mehr entdecken lässt.
      Viele Grüße, Claudia

  6. Ein wunderschönes Buch und du hast recht, es entfaltet seine Wirkung so nach und nach. Ich hatte vor einiger Zeit den Autor über seinen Roman Joel Spazierer entdeckt und war begeistert von seiner Sprachgewalt. Die Idylle mit ertrinkendem Hund las ich dann kurz darauf und hatte eine ähnlich temporeiche Geschichte erwartet. Diese Erwartung wurde beim ersten Lesen enttäuscht, aber die Gedanken, die man beim Lesen entwickelt, spinnen sich langsam immer weiter. Die thematische Verbindung von Trauer und literarischem Schaffen in diesem Buch ist grandios.
    Viele Grüße, Rita

    • Liebe Rita,
      „Joel Spazierer“ habe ich noch auf meinem Stapel liegen und nun, nach dem Lesen der „Idylle“ und den Reaktionen hier auf meinem Blog, wird es sicherlich eines der nächsten Bücher sein, die ich lesen möchte. Köhlmeier ist wohl wirklich ein toller Autor, den ich bisher noch gar nicht kannte und der ja leider auch nicht so recht auf die Buchpreislisten kommt. Umso besser, wenn er hier im Blig so positiv aufgenommen wird. Ich freue mich schon auf die „sprachgewaltige“ und „temporeiche“ Geschichte des Herrn Spazierer :-).
      Viele Grüße, Claudia

      • Daniela sagt

        Ganz so unbeachtet vom Literaturpreisbetrieb ist er ja eigentlich nicht. “Abendland“ war 2007 auf der Shortlist, und “Madalyn“ 2010 immerhin auf der Longlist.
        Aber je mehr Bücher der diesjährigen Longlist ich kenne, umso mehr wundere ich mich darüber, dass der“Joel Spazierer“ nicht drauf ist…

        Ich höre das Buch ja gerade. Wobei “gerade“ relativ ist, weil ich immer nur sporadisch höre, und ich erst 5 der insgesamt 35 Stunden hinter mir habe… Er ist zudem auch nicht unbedingt der beste Interpret seines Buches. Aber ich mag es trotzdem, weil ich ihn auch immer noch mit Radio und seinen Nacherzählungen der antiken Sagen verbinde. Wenn du die Gelegenheit hast, solltest du unbedingt mal reinhören. Kann man ja gut mit Stricken verbinden…

      • Liebe Daniela,
        es sind ja doch schon einige Nominierungen zusammengekommen. Das hätte ich gar nicht gedacht, habe aber in den vergangenen Jahren auch nicht so arg darauf geachtet. Aber mit Blick auf die diesjährige Longlist… Du schreibst es ja.
        Die Idee mit dem Hörbuch und dem Stricken ist eigentlich eine gute. Das habe ich auch schon gedacht, denn dann könnte ich ja meinen beiden Lieblingshobbies gleichzeitig frönen. Aber: Ich kann keine Hörbücher hören, nicht zu Hause, nicht beim Autofahren. Es macht mich einfach völlig nervös. Und abends beim Einschlafen rattert immer noch die Vorlesestimme in meinem Kopf und nervt. Woran das liegt, weiß ich auch nicht. Wahrscheinlich muss man sich auch beim Hören doch sehr konzentrieren, viel mehr als zum Beispiel beim Fernsehgucken, und man ist natürlich auf die Betonung und die Vorlesegeschwindigkeit des Vorlesers angewiesen. Ich lese doch lieber selber, dann kann auch mein Kopfkino besser zum Zuge kommen. Und zum Stricken muss dann das Fernsehen die Begleitbilder liefern.
        Und Dir wünsche ich noch ganz viel Spaß mit den restlichen 30 Stunden Joel Spazierer!
        Viele sonnige Grüße, Claudia

      • Daniela sagt

        Liebe Claudia,
        so ging es mir mit Bonné und Poschmann in diesem Jahr – ich hätte schwören können, dass ich die Namen noch nie im Leben gelesen hatte, dabei waren sie auch schon nominiert, sogar in Jahren, in denen ich mich relativ viel mit den Büchern der Longlist beschäftigt hatte… aber diese hatte ich halt nicht gelesen, und schon – schwups – sind sie verdrängt 😉 Sind ja doch jedes Jahr 20 Autoren…

        Was Hörbücher anlangt – ja, es wäre zu schön gewesen 😉 ich lasse mir zum Beispiel gerne bei der Gartenarbeit vorlesen, oder beim Marmeladekochen, bei Dingen also, bei denen ich definitiv nicht denken muss, sondern mechanisch vor mich hin schnipple und auch kaum Störgeräusche produziere. Oder aber, wenn meine Augen zu müde sind, abends im Bett… aber dann eben auch nicht sehr lange, dann schlafe ich ein. (Gutes Mittel immer dann, wenn ich Einschlafprobleme habe).
        Und ja, eine Vorlesestimme kann einem auch den ganzen Spaß am Buch verderben… aber auch ihn erst so richtig entfachen. Ich liebe es zB , mir die Krimis von Ian Rankin auf englisch mit schottischem Akzent vorlesen zu lassen 😉 (gut, ich muss etliche Teile auch wirklich mehrmals hören, um es zu verstehen, aber… was ist schon Zeit…)

        Was den Joel Spazierer angeht: vielleicht schiebe ich doch noch eine Lektüre zwischendurch ein. ich bin jedenfalls in der Onleihe vorgemerkt. Sag doch mal Bescheid, wenn du beginnst, vielleicht passt es gerade!
        LIebe Grüße,
        Daniela

      • Liebe Daniela,
        ich habe jetzt mal so gedacht, dass ich mich dem „Großprojekt“ Joel Spazierer in den Herbstferien zuwende, also so in drei Wochen. Dann habe ich, so plane ich jedenfalls, mehr Zeit und kann größere Stücke zusammenhängend lesen, nicht immer nur ein paar Seiten vor dem Einschlafen abends, deren Inhalt ich am nächsten Tag fast komplett vergessen habe…
        Viele Grüße, Claudia

      • Daniela sagt

        Liebe Claudia, so in 3 Wochen klingt auf den ersten Blick ganz gut. Wenn du Lust hast, können wir ja vielleicht überlegen, ob wir eine Art „gemeinsames Lesen“ veranstalten? Vielleicht findet sich ja noch jemand, der mitmacht?
        LG, Daniela

  7. Liebe Claudia,
    ich habe mich sehr über Deinen Post gefreut und mich beim Lesen Deines Artikels sehr gerne wieder an dieses grosse kleine Buch erinnert., offensichtlich hat Dir das Buch auch so gut gefallen wie mir, das freut mich – .und der Hund lebt auch noch…
    Liebe Grüsse, Kai

    • Lieber Kai,
      nun schau, was Du mit Deiner Empfehlung der „Idylle“ angerichtet hast! Erst einmal hast Du mir damit ein Buch schmackhaft gemacht, das ich sonst nicht gelesen hätte. Dann habe ich durch dieses große kleine Buch einen Autor kennengelernt, von dem ich noch viel mehr lesen möchte. Und die vielen positiven Posts hier machen deutlich, dass schon viele andere Leser vor mir, auch diese wunderbare Entdeckung gemacht haben. Und das alles nur, weil Du so schön über die Kölner geschimpft hast :-)! Das war wirklich eine tolle Empfehlung von Dir – und zum Glück lebt der Hund auch noch!
      Viele Grüße, Claudia

      • Liebe Claudia,
        also, wenn Du meinst, das hat was mit meiner Kölnbeschimpfung zu tun hat, dann werd ich das in meine nächste Besprechung eines mir besonders wichtigen Buches vielleicht noch einbauen…
        Liebe Grüsse, Kai

      • Lieber Kai,
        ich als Nicht-Kölnerin und staunender Betrachterin des Köln-Phänomens (ich habe einige Kölner Kollegen, die ihr Köln-Sein zwar nicht immer und permanent heraushängen lassen, aber wenn denn die Sprache darauf kommt, dann gibt es auch kein Halten mehr…), der alle Nationalismen, Ragionalismen sowie Lokalismen sehr fremd sind, habe mich glänzend amüsiert bei Deinen Kölner Randbemerkungen. Ob das aber ein Rezept für alle Dir zukünftig wichtig erscheinenden Beiträge ist, weiß ich nicht so genau. Immerhin habe ich mich dann ganz besonders von Deiner schönen Besprechung der „Idylle“ von der Novelle einnehmen lassen – so sehr, dass ich noch aus dem Urlaub das Buch bestellt habe, so dass es hier zu Hause schon auf mich wartete (dann drängelte sich aber der Buchpreis dazwischen). Fazit: Dein Beitrag sprach einfach verschiedene Sinne an: den, der gerne mit spitzer Zunge unterhalten werden wollte und den, der sich von einer neugierig machenden Rezenion zu einem neuen Buch verführen lassen wollte. Vielleicht ist das die richtige Mischung für den ulitmativ erfolgreichen Blogbeitrag :-)!
        Viele Grüße, Claudia

  8. Liebe Claudia,
    Wie auch immer, auf jeden Fall hat es mich sehr gefreut, dass ich Dich durch meinen kleinen Text zur Lektüre veranlassen konnte – und für mich hat es jetzt umgekehrt die schöne Folge, dass ich Joachim Zelters Buch kennenlernen kann.
    So, und um nun noch grad dieses Kölnphänomen, dass Du so schön anhand Deiner Kollegen beschreibst endlich abschliessend zu behandeln: Bewusst wurde mir die kölnische Ernsthaftigkeit dieses Phänomens und auch dieses lustige und recht einseitige Düsseldorf-Bashing, als ich mal von Köln mit dem Auto nach eben, Düsseldorf musste und mich nicht wirklich auskannte. Es gab KEIN Schild nach D, nirgends. Das war ca. 1980 – und wenn ich mich nicht stark täusche ist es heute noch so. Umgekehrt war es in D dann überhaupt kein Problem, die Autobahn nach K zu finden. Die haben da Schilder angebracht. Seitdem glaube ich ja auch, dass den Düsseldorfern das mit Köln völlig wurscht ist, was die Kölner vermutlich noch mehr fuchst. Und schliesst sich da nicht wieder der Kreis: Kein Schild, Nirgends. Klingt das nicht literarisch, hach, watten Quatsch all
    In diesem Sinne einen rheinischen Gruss sagt der Kai

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