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Karan Mahajan: In Gesellschaft kleiner Bomben

Shockie kämpft für die „Jammu und Kashmir Islamic Force“ und ist auf dem Weg nach Delhi, um dort auf einem Markt eine Bombe zu zünden. Es wird eine der sogenannten kleinen Bomben sein, eine Bombe, mit nur relativ wenigen Toten und Verletzten, über deren Zerstörung nur in den regionalen Medien berichtet werden wird. Eine Bombe aus dem Material, das er jeweils vor Ort kauft, sodass er keine Spuren hinterlässt, die die Polizei zurückverfolgen könnte. Eine kleine Bombe, die nicht mehr bewirkt als einen Nadelstich, aber immerhin einer, der so viel Öffentlichkeit schafft, dass wieder einmal auf die Zustände in Kaschmir hingewiesen werden kann, wo die indische Verwaltung in aller – ungerechten – Härte gegen die muslimische Bevölkerung vorgeht. Und Shockie denkt, während er am Bahnhof von Delhi den Schmutz und Dreck betrachtet und die vielen Menschen, „dass der Verlust einiger kaum tragisch oder gar wichtig wäre.“ Karan Mahajan setzt die Geschichten der Figuren in seinem Roman, der Opfer wie auch der Täter, dieser zynischen Haltung des Attentäters gegenüber. Denn natürlich ist der Tod eines Familienmitglieds …

Gila Lustiger: Die Schuld der Anderen

Als Gila Lustigers Roman im Januar 2015 erschien, hatte es gerade die Anschläge auf die Redaktion von Charlie Hebdo und den jüdischen Supermarkt in Paris gegeben und der Blick nach Frankreich auf der Suche nach Gründen für diese unglaublichen Taten trieb die Öffentlichkeit um. Möglicherweise hat der genau in jenen Tagen erschienene Roman von Michel Houellebecq alle Aufmerksamkeit auf sich gezogen, zeichnet er doch ein geradezu bizarres Bild nicht nur der politischen, sondern vor allem auch der religiösen Entwicklungen in Frankreich bis in die 2020er Jahre. Das wäre schade, denn der Roman Gila Lustigers Roman setzt sich, wenn auch im Gewand eines Krimis, mindestens genauso mit den Problemen der französischen Gesellschaft, in der die Autorin seit Jahren lebt, auseinander. Sie schaut in ihrem Roman aber nicht in eine so oder so mögliche Zukunft, sondern sucht die Gründe für den Status quo in der Vergangenheit und blickt so zurück in die 1980er Jahre, die für sie wohl den Beginn einer neuen Ära markieren. Mit dem Sieg des sozialistischen Präsidenten Mitterrand begann eine Verstaatlichung wichtiger Unternehmen – …