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Leserückblick 2018 (2): Vier Entdeckungen

Das Jahr 2018 hat mich nicht nur mit einer Roman-Serie überrascht, sondern mir auch verschiedene Entdeckungen beschert. Entdeckungen von Autoren, die mich mit ihrem Debüt überzeugt haben und Entdeckungen von Autoren, die schon länger publizieren, von denen ich aber bisher noch nichts gelesen habe. Ihre Romane haben mich auf eine Ölplattform und durch halb Europa geführt, in die hohen Berge und ins ostdeutsche Dorf. Das waren alles interessante, merkwürdige und anregende Reisen, auf denen ich vieles entdecken konnte, die mich vor allem aber auch durch die Art ihrer Erzählung begeistert haben. Anja Kampmann entführte mich auf die schon genannte Ölplattform und zu den Nomaden-Arbeitern, die den Ölfördergebieten nachziehen,um den Energiehunger der Welt zu stillen. Da ist Waclaw, der nach dem Tod seines besten Kumpels Mátyás nicht mehr zurückkehren kann in den alten Lebensrhythmus zwischen zwei Wochen Arbeit auf der Plattform und zwei Wochen Reisen und Spielen und Genießen an Land. Von Sizilien aus macht er sich auf denWeg über die Alpen ins Ruhrgebiet und dann Richtung Polen und begibt sich auf die Suche nach seinen …

Kathrin Gerlof: Nenn mich November

Katrin Gerlofs Roman scheint unter dem Radar der Literaturkritik zu fliegen, kaum besprochen auf den Blogs – jedenfalls habe ich noch keine Rezension gelesen -, wenig in den Zeitungen und einschlägigen Radiosendungen. Das ist schade, denn ihr Roman hat auf jeden Fall viel mehr Aufmerksamkeit verdient, seziert sie doch mit ihrer Geschichte von Marthe und David Lindenblatt, die aus Berlin in ein ziemlich verschlafenes Nest in der ostdeutschen Provinz ziehen, zumindest einen Teil aktueller deutscher Befindlichkeiten. Sie erzählt, wie so eine Abstiegsgeschichte aus dem großstädtischen Mittelstand aussehen kann und welche Tristesse auf dem Dorf herrscht, das schon alle vertrieben hat, die sich auch nur ein kleines bisschen mehr vom Leben erhoffen und das sich so wehrhaft gegen alles Fremde behauptet. Marthe und David müssen Privatinsolvenz beantragen. Daniels Geschäftsidee, kompostierbares Geschirr auf den Markt zu bringen, hat sich nicht durchgesetzt. Dabei schien das doch angesichts der Plastikmüllberge, die sich bis in die Meere erstrecken, eine gute Idee zu sein: „Papier rettet Meer“. Auch ihren Berater bei der Bank, Herrn Sommer, haben sie überzeugt, „mit einem aufgeblasenen …