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Abbas Khider: Die Orangen des Präsidenten

Wer sich angesichts der einen oder anderen aktuell beunruhigenden Nachricht noch einmal vergewissern möchte, was es heißt, in einer Diktatur zu leben, der kann auf den Spuren des Abiturienten und Taubenzüchters Mahdi schnell herausfinden, dass das Leben in einem solchen Land höchst unsicher und unvorhersehbar ist – und sehr gefährlich. Mahdi lebt im Irak Saddam Husseins. Durch den Iran-Irak-Krieg verliert er seinen Vater, die Mutter, Analphabetin, verkauft den Renault und das Grundstück, großzügige Gaben des Staates zum Ausgleich des Verlustes, kauft eine Wohnung und betreibt fortan einen Gemüseladen, um für sich und Mahdi sorgen zu können. Ein paar Jahre später stirbt die Mutter an Krebs, Mahdi zieht zu seinem Onkel nach Nasrija. Und nach seinen Abiturprüfungen landet er quasi direkt in den Katakomben des Hussein-Regimes, denn bei einer Spritzfahrt mit seinem Freund Ali wird er festgenommen, Ali hatte wohl die falschen politischen Freunde und Mahdi war zur falschen Zeit mit Ali zusammen. Und wie es politischen Häftlingen in einem absolut rechtsfreien Raum ergeht, davon erzählt Mahdi in seinem Roman. Zu Beginn der Vernehmungen glaubt Mahdi …

Abbas Khider: Ohrfeige

Abbas Khiders Roman hätte der Roman des Frühjahrs zur aktuellen Flüchtlingsthematik werden können; er hätte der Roman werden können, der den Lesern literarisch zeigt, wie das Leben im Wartestand zwischen den Bewilligungen der Behörden, den Umzügen zwischen den Flüchtlingsheimen und der ewigen Untätigkeit und Langeweile ist; er hätte der Roman werden können, der zeigt, wie auch Behörden Menschen demütigen können, alleine, weil sie ihnen ausgeliefert sind. All diese Aspekte sind enthalten in Khiders Roman. Khiders Roman ist nicht im Jetzt angesiedelt, sondern in den Jahren 2000 bis 2003. Im Irak herrscht Saddam Hussein, aber Karim Mensy flieht nicht, weil er politisch aktiv war, sondern aus einem sehr persönlichen Grund. Ihm sind zur Jugendzeit weibliche Brüste gewachsen, die er nun durch Kleidung zu verbergen sucht. Sein Leben hat sich seitdem sehr verändert, Schwimmbäder und Fußballplätze sind tabu, die Sommer verbringt er wegen der luftigen Kleidung lieber zu Hause und beginnt Comics zu zeichnen. Aber nach dem Abitur steht der Wehrdienst an. Nicht auszudenken, was ihm dann geschieht: „Im Fernsehen sah ich oft, wie die Soldaten mit …