Alle unter Gentrifizierung verschlagworteten Beiträge

Enno Stahl: Sanierungsgebiete

Lynn ist ratlos. Bald ist ihr Architekturstudium zu Ende, es fehlen nur noch die Diplomarbeit und ein mehrmonatiges Praktikum. Aber sie weiß nicht, worüber sie schreiben soll, weiß auch nicht, wie sie an eine Praktikumsstelle kommen soll, nun, da es alle Studenten absolvieren müssen. Warum sie nicht über ihre Straße schreibe, fragt Frank, ihr Kommilitone. Da sei so viel saniert worden seit der Wende, das wäre doch bestimmt ein gutes Thema. Lynn wohnt in der Rykestraße und diese Straße am Prenzlauer Berg ist ausgewiesenes Sanierungsgebiet. Hier, so hat der Senat von Berlin festgelegt, sollen bauliche Maßnahmen an den zu DDR-Zeiten lange nicht modernisierten Gebäuden unterstützt werden. Und ebenso soll die Infrastruktur verbessert werden, durch Spielplätze und Grünflächen beispielsweise und verkehrsberuhigte Zonen. Lynn nimmt die Idee auf, entwirft ein Konzept und schlägt das Thema ihrem Professor vor. Der akzeptiert es, auch wenn Lynn hier mehr soziologische als bautechnische Forschungsfragen aufwirft. Denn ihr Interesse liegt ja vor allem bei der Frage, wie die Sanierungen auf die dort wohnenden Menschen wirken. Dabei steht Lynn, die Tochter einer Anwältin …

Vincenzo Latronico: Die Verschwörung der Tauben

In die Welt des großen Geldverdienens taucht Vincenzo Latrinicos Roman von der „Verschwörung der Tauben“ ein und führt uns vor allem das Personal vor, das für diesen ebenso großen Betrug verantwortlich ist. Das große Geld verdienen – das ist der Traum der Mitspieler, die diesen Roman bevölkern. Gar nicht mal, um sich dann mit edlen Gütern zu umgeben oder dem schönen Nichtstun zu frönen, sondern vielmehr um endlich die Anerkennung des Vaters zu bekommen, wenn der große Deal klappt, oder, noch besser: um im Wettbewerb mit den anderen Spielern als der Sieger hervorzugehen, der das ganz große Rad gedreht hat – und vielleicht auch aus Rache. Verschiedene Wege gibt es, um an das große Geld zu kommen: Eine akademische Karriere kann Reputation und viele gute Kontakte erschaffen, die für kleinere und größere Geschäfte „nebenher“ genutzt werden können, sodass zum staatlich gesicherten Einkommen ein kleines oder auch größeres Zubrot verdient werden kann; es können Häuser gebaut oder restauriert werden, beständige Werte immerhin, die eine Wertschöpfung darstellen; es können Häuser luxussaniert werden und Stadtviertel aufgewertet – gentrifiziert …