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Colum McCann: Briefe an junge Autoren. Mit praktischen und philosophischen Ratschlägen

In einem seiner Briefe an junge Autoren schreibt Colum McCann über den Schrecken der weißen Seite. Ach ja, denkt die Leserin und Bloggerin, diesen Schrecken kennt sie gut, wenn sie denn einen Text schreiben möchte über die Lektüre dieses oder jenes Romans und schon der erste Satz ganz und gar nicht zustande kommen möchte. Von Schreibblockaden sprechen dann oft die Schriftsteller, und die müssen es ja wissen. Schreibblockade – das hört sich doch ganz plausibel an, so, als ob es da eine nicht beeinflussbare Instanz gebe, die dem Schreibprozess immer wieder dicke Steine in den Weg legt. Das kennt die Bloggerin auch, da kann der Cursor ganz oben auf der Seite noch so lockend blinken, an Tagen mit Schreibblockade bleibt die Seite weiß, da wird es nichts aus dem ersten und nichts mit dem zweiten Satz. Das könnte eine schöne Erklärung sein – nicht aber für McCann. Er schreibt an die jungen Autoren: „Lassen Sie sich vom Schrecken der weißen Seite nicht das Hirn folienverschweißen. Die Ausrede, Sie hätten eine Schreibblockade, ist viel zu einfach. …

Colum McCann: Wie spät ist es jetzt dort, wo du bist?

In drei Erzählungen und einer Novelle erzählt uns Colum McCann von Menschen, die ganz „unerhörte“ Situationen erleben. Es sind die Brüche, die passieren können im Leben, die diesen vier Figuren widerfahren, und die so eine Klammer bilden für die vier Geschichten. Dass drei der Geschichten dann auch noch Formen von Gewalt thematisieren mag eine weitere Klammer sein. Aber so misslich die Lage der Figuren auch jeweils ist, so erweisen sie sich doch als erstaunlich widerständig, als ganz starke und gradlinige Persönlichkeiten, die. Und sie haben die ganz erstaunliche Fähigkeit, uns direkt für sich einzunehmen. Hier erweist sich die große Erzählkunst McCanns, der mit ein paar Sätzen, Federstrichen nachempfunden, Figuren erschafft, mit denen wir mitfühlen und mitleiden, mit denen wir lachen und weinen. In der buchtitelgebenden Erzählung bereitet sich eine Soldatin im winterlich eisigen Afghanistan darauf vor, ihre Geliebte und den Sohn zu Hause in South Carolina anzurufen, um zum Neuen Jahr gratulieren zu können. Sandi hat die Wache draußen im Unterstand alleine übernommen, damit die anderen Soldaten feiern können und sie um Mitternacht Ruhe für …