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Delphine de Vigan: Nach einer wahren Geschichte

Delphine de Vigan lässt in ihrem Roman „Nach einer wahren Geschichte“ die Ich-Erzählerin Delphine erzählen, was ihr Ungeheuerliches nach der Veröffentlichung ihres autobiografisch grundierten Buches über den Suizid ihrer Mutter passiert ist. Und spielt so mit dem Leser auf gleich mehreren Ebenen Katz-und-Maus rund um die Frage, was denn Literatur sei, wie sich Literatur gestalten lasse und ob in unserer unübersichtlichen Zeit nicht eigentlich die Literatur, also das Ausgedachte und Erfundene, hinter der ungleich höher einzuschätzenden Bedeutung des autobiografischen, also des wahren Schreibens zurücktreten müsse. Damit umkreist auch Delphine de Vigans Schreiben einen Aspekt der Literatur, mit dem sich gerade mehrere Autoren auseinandersetzen, nämlich dem Verhältnis von eher autobiografischer und eher fiktionaler Literatur. Da sind – auf der einen Seite – die Schriftsteller zu nennen, die Bücher schreiben, die sich vermeintlich aus der Biografie der Schriftsteller speisen und ihren Texten somit eine ganz besondere Authentizität verleihen, z.B. Knausgard und Espedal, Melle und Bakker. Zu dieser Kategorie von Texten gehört sicherlich auch de Vigans Buch „Das Lächeln meiner Mutter“. Hier thematisiert sie den unerwarteten Tod ihrer …

Gerbrand Bakker: Jasper und sein Knecht

Nach Melles „Welt im Rücken“ nun also Gerbrand Bakkers „Jasper und sein Knecht“. Ein zufälliges Hintereinanderlesen, eine Lesereihenfolge, die entstanden ist, weil Bakkers neues Buch nach seinen Romanen „Oben ist es still“ und „Der Umweg“ auf dem Lesestapel ganz oben lag. Und so ergab es sich, dass nach Melles autobiografischem Schreiben über seine manische Depression wieder ein autobiografisches Buch in den Fokus rückt, ein Tagebuch gar, das somit auch formal ganz nah an der Lebenswelt des Autors ist. Auch Bakker also spielt mit den Formen der autobiografischen Literatur, auch für ihn gelten die Anmerkungen Hamens aus dessen Artikel „Gefährliche Leibschaften“ über die im Anschluss an die Melle-Besprechung ausführlich diskutiert wurde. Von Dezember 2014 bis Dezember 2015 zeichnet Bakker sein Leben auf, beginnt mit der Erinnerung an den Geburtstag des Großvaters, erzählt, wie er lebt in seinem Haus in der Eifel, erzählt von den Nachbarn dort, dem Hund Jasper, seinem Garten und seinen Aufenthalten in Amsterdam. Bakker blickt auf seine Vergangenheit, seine Familie und das Trauma des ertrunkenen kleinen Bruders, auf das Eislaufen, seine beruflichen Wege …