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Karl-Heinz Ott: Und jeden Morgen das Meer

Wie brüchig eine Existenz sein kann, das erfährt Sonja Bräuning mit über sechzig. Fast geflohen ist sie vom Bodensee nach Wales, ans Ende der Welt, könnte man meinen, dorthin, wo der Blick aufs meistens wild tosende Meer Weite und Grenzenlosigkeit und Ewigkeit verspricht – und die größtmögliche Freiheit, weil sie sich hier Tag für Tag für oder gegen das Leben entscheiden kann. Zu einem Zeitpunkt, zu dem Menschen ihres Alters darüber nachdenken, wie sie die Zeit ohne Arbeitsverpflichtung verbringen wollen, steht Sonja da mit einem in die Jahre gekommenen Hotel, das dringend renoviert werden müsste, und so hohen Schulden, dass die Banken im Ort, deren Vertreter jahrelang bei ihr ein- und ausgegangen sind, ihr kein weiteres Geld mehr leihen. Selbst Arno, ihr Schwager, der in besseren Zeiten mit seinem Bruder und dessen Michelin-Stern geprahlt hat, gewährt ihr keinen Kredit mehr. Er drängt sie aus dem Haus, das früher einmal die Gaststätte seiner Eltern gewesen ist, eines der „bodenständigen“ Häuser, in denen die Sauce zum Braten aus der Tüte kam. Bruno und sie haben Restaurant und …