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Margriet de Moor: Von Vögeln und Menschen

    Vor ein paar Tagen stellte Anna auf ihrem Blog buchpost die Autobiografie Anthony Ray Hintons vor, der 1985 in Alabama zu Unrecht wegen angeblichen Mordes zum Tode verurteilt und erst dreißig Jahre später aus dem Gefängnis entlassen wurde. Seine Geschichte ist ein Paradestück dafür, wohin rassistische Vorverurteilungen führen, wenn es denn im gesamten Rechtsapparat so gar niemanden gibt, der seine Arbeit ernsthaft betreibt und auf Widersprüche und eklatante Ermittlungsfehler hinweist. Fast zeitgleich habe ich Margriet de Moors Roman „Von Vögeln und Menschen“ gelesen, dessen erzählerischer Kern auch solch ein „Justizirrtum“ ist. Auch wenn in de Moors Roman schließlich ein Geständnis vorliegt, wenn auch ein falsches, durch Schlafentzug und andere Formen der psychischen Folter erpresst, die Ermittlungen sind genauso schlampig durchgeführt wie in Hintons Geschichte. Weil die Schuldige, wie in Hintons Fall, schon sehr schnell feststand. Diese Geschichte ist wohl wirklich passiert, in den Niederlanden der 1980er Jahre, nur dass hier die Vorverurteilung keine rassistische Grundlage hat, sondern eine soziale, vielleicht auch eine frauenfeindliche. Margriet de Moors Augenmerk liegt jedoch nicht so sehr auf …