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Emma Braslavsky: Die Nacht war bleich, die Lichter blinkten

Emma Braslavskys Roman knüpft da an, wo Ian McEwans Geschichte aufhört. In ihrer Welt nämlich sind die Androiden zur Marktreife gelangt und jeder, der sich eine Recheneinheit leisten kann, lässt sich einen Partner nach individuellen Vorstellungen programmieren. Der eine möchte eine Partnerin, die die Wohnung in bester Ordnung hält und gerne kocht, die andere lieber einen Gefährten, der sie umarmt und küsst und Lust auf Sex hat; die eine geht gerne mit Mads Mikkelsen aus, der andere mit Pedro Almodóvar. Im Berliner Nachtleben ist kaum noch zu unterscheiden, wer Mensch, wer Recheneinheit ist. Es wird gegessen, getrunken, geflirtet und getanzt und wem das noch nicht reicht für das gute Gefühl, der versucht es auf der Toilette mit schnellem Sex oder mit Amphetaminen. „Die Liebe 3.0 stillt endlich alle menschlichen Sehnsüchte. Alle. Lust? Anerkennung? Unverbindlicher Kontakt? Ekstase? Geborgenheit? Schutz und Sicherheit? Selbstbestätigung? Abenteuer? Hunger nach exotischen Erfahrungen? Platonische Freundschaft? Trans? Homo? Hertero? Poly? Zwischenartlich? Es gab keine Verbindung, die es nicht mehr geben konnte. Die Entfaltung des Ichs hatte jetzt eine neue soziale Bühne, auf der …