Alle unter Familienroman verschlagworteten Beiträge

Liz Moore: Der Gott des Waldes

Zum Glück habe ich diesen dicken Roman für die Osterfeiertage aufbewahrt, für lange Lesezeiten ohne die Unterbrechung der üblichen Pflichten. Und so konnte ich ganz eintauchen in das Naturreservat der Van Laars in den Adirondak Mountains, ganz im Nordosten des Staates New York gelegen. Und in die Geschichte einer Familie von Bankern, in der Geld und Macht nicht unbedingt die Entwicklung der edelsten Eigenschaften gefördert haben. Neben der Villa für den Sommer, das Haus Self-Reliance, das etwas erhöht am Hang liegt mit Blick auf den See, haben die Van Laars auch ein Camp eingerichtet, in dem die Kinder und Jugendlichen der reichen Ostküstenfamilien ihre Sommermonate verbringen können. Das Camp hat sich im Laufe der Jahrzehnte einen guten Ruf erworben, die inhaltliche Ausrichtung auf die Natur und den Wald ist hoch angesehen. Ein Überlebenstraining, bei dem die Jugendlichen ein paar Tage im Wald  „ausgesetzt“ werden und alleine klarkommen müssen, ist in jedem Jahr der Höhepunkt des zweimonatigen Camps. In diesem Jahr, es ist der Sommer 1975, möchte auch Barbara, die 13-jährige Tochter der Van Laars, am …

Leserückblick 2018 (3): Vier Familienromane erzählen europäische Geschichte(n)

Möglicherweise gibt es sie in jedem Jahr, aber in diesem Jahr haben mir gleich vier Romane ganz besondere Lesezeiten beschert, die sich dem Genre des Familienromans zurechnen lassen. Auffallend sind sie, weil sie nicht so sehr von den Konflikten und Probleme zwischen den Figuren und ihren Zielen und Werten erzählen oder vom ewigen Zwist zwischen den Generationen, weil sie eben nicht in erster Linie vom Zusammenleben in den Familien erzählen und daraus eine Geschichte entwickeln. Auffallend sind sie, weil sie eher anders herum die Frage ausloten, wie die Familienmitglieder, wie die Familienverbände insgesamt mit gesellschaftlichen, ja, vor allem mit politischen Zeitläuften umgehen, wie sie dem Druck politischer Ideologien standhalten – oder eben auch nicht –, wie das Leben einzelner oder auch das Leben der gesamten Familie beeinflusst wird durch die politischen Zustände. Manche versuchen sich wegzuducken und entwickeln Mechanismen, um den toxischen Anforderungen aus dem Weg zu gehen, damit sie ihr Leben unbehelligt weiter führen können, und fühlen sich alleine durch diese Haltung schuldig. Manche werden zu Mitläufern, manche zu Tätern. Manche engagieren sich in …