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Orhan Pamuk: Die rothaarige Frau

Es gibt Geschichten, die die Menschen seit Jahrtausenden faszinieren. Die immer wieder gleich und gleichzeitig immer wieder neu erzählt werden. Weil sie um einen festen Kern herum flexible Ränder besitzen, die jeder Erzähler problemlos an die Erfahrungswelt seines Publikums anpassen kann. Solch eine Geschichte ist die Erzählung von Ödipus, der, wie es das Orakel vor seiner Geburt geweissagt hat, erst seinen Vater erschlägt und dann seine Mutter heiratet. Diese tragische Geschichte um die Ermordung des Vaters und den Inzest mit der Mutter bietet ein so spannendes, herausforderndes und tragisches Erzählgerüst, dass Schriftsteller sich dieser Geschichte in allen Zeiten gerne bemächtigt haben – und Teile davon sogar in die Science-Fiction-Welten der Blockbuster gelangten. Und nun erzählt auch Orhan Pamuk eine neue, eine aktuelle Variation des Ödipus-Mythos. Aber nicht nur das. Denn Pamuk stellt dem griechischen Mythos sein persisches Pendant zur Seite. In dem Heldenepos „Schāhnāme“, dem Werk des persischen Dichters Abū ʾl-Qāsim Firdausī, nämlich gibt es die Sage von Rostam und seinem Sohn Sohrab. Weil Rostam seine Frau Tahmine nach der Hochzeitsnacht verlässt, lernt er seinen …