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Liz Moore: Der Gott des Waldes

Zum Glück habe ich diesen dicken Roman für die Osterfeiertage aufbewahrt, für lange Lesezeiten ohne die Unterbrechung der üblichen Pflichten. Und so konnte ich ganz eintauchen in das Naturreservat der Van Laars in den Adirondak Mountains, ganz im Nordosten des Staates New York gelegen. Und in die Geschichte einer Familie von Bankern, in der Geld und Macht nicht unbedingt die Entwicklung der edelsten Eigenschaften gefördert haben. Neben der Villa für den Sommer, das Haus Self-Reliance, das etwas erhöht am Hang liegt mit Blick auf den See, haben die Van Laars auch ein Camp eingerichtet, in dem die Kinder und Jugendlichen der reichen Ostküstenfamilien ihre Sommermonate verbringen können. Das Camp hat sich im Laufe der Jahrzehnte einen guten Ruf erworben, die inhaltliche Ausrichtung auf die Natur und den Wald ist hoch angesehen. Ein Überlebenstraining, bei dem die Jugendlichen ein paar Tage im Wald  „ausgesetzt“ werden und alleine klarkommen müssen, ist in jedem Jahr der Höhepunkt des zweimonatigen Camps. In diesem Jahr, es ist der Sommer 1975, möchte auch Barbara, die 13-jährige Tochter der Van Laars, am …

Julia Deck: Privateigentum

„Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt.“ Was in den Zeiten Schillers galt, gilt heute immer noch. Diese Erfahrung machen jedenfalls Eva und Charles Caradec, um die fünfzig, in ihrer neuen Doppelhaushälfte in einem Pariser Vorort. Jahrelang lebten sie in einer Mietwohnung in der Innenstadt, geräumig und komfortabel, der Fitnessraum im Haus. Aber dann hatten die Balkonpflanzen zu wenig Platz, brauchten neue, größere Töpfe, die Rosenstöcke beanspruchten mehr Raum für die Zweige. Es war also Zeit für eine Immobilie vor den Toren der Stadt, mit einem Garten, mit Ruhe und besserer Luft, es war Zeit für: Privateigentum. Auch wenn der Begriff trügerisch ist, denn eigentlich gehört das Haus der Bank, bei der man bis zur Nasenspitze verschuldet ist. Und wirklich privat ist hier im Vergleich zur Anonymität der Großstadt auch keiner. Die Nachbarn kennen sich, besuchen sich zum Aperitif, zur Grillparty. Man beobachtet sich aus den Küchenfenstern, sieht, wann wer in welches Haus geht. Im Garten wird man unabsichtlich Zeuge der Gespräche auf der benachbarten Terrasse. Und …