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Julia Deck: Privateigentum

„Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt.“ Was in den Zeiten Schillers galt, gilt heute immer noch. Diese Erfahrung machen jedenfalls Eva und Charles Caradec, um die fünfzig, in ihrer neuen Doppelhaushälfte in einem Pariser Vorort. Jahrelang lebten sie in einer Mietwohnung in der Innenstadt, geräumig und komfortabel, der Fitnessraum im Haus. Aber dann hatten die Balkonpflanzen zu wenig Platz, brauchten neue, größere Töpfe, die Rosenstöcke beanspruchten mehr Raum für die Zweige. Es war also Zeit für eine Immobilie vor den Toren der Stadt, mit einem Garten, mit Ruhe und besserer Luft, es war Zeit für: Privateigentum. Auch wenn der Begriff trügerisch ist, denn eigentlich gehört das Haus der Bank, bei der man bis zur Nasenspitze verschuldet ist. Und wirklich privat ist hier im Vergleich zur Anonymität der Großstadt auch keiner. Die Nachbarn kennen sich, besuchen sich zum Aperitif, zur Grillparty. Man beobachtet sich aus den Küchenfenstern, sieht, wann wer in welches Haus geht. Im Garten wird man unabsichtlich Zeuge der Gespräche auf der benachbarten Terrasse. Und …