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Mercedes Lauenstein: nachts

Wer nachts durch die dunklen Straßen geht, der stellt sich wohl schon die Frage, was die Menschen tun in den Wohnungen, in denen die Lampen leuchten. Und fragt vielleicht weiter, was das für Menschen sind, wie alt sie sind, wie sie wohnen, warum sie wach sind. Das erleuchtete Fenster jedenfalls, das einen knappen Blick gewährt in ein anderes Leben, regt die Fantasie an und macht neugierig. Mercedes Lauensteins schickt ihre namenlose Ich-Erzählerin los, um die Geheimnisse hinter den nachts erleuchteten Fenstern zu erkunden. Die Erzählerin, selbst schlaflos, wandert durch die Straßen der Stadt, sucht nach Mitternacht nach Lichtern in den Zimmern und hofft, dass, je später es wird, wenigstens eines der Fenster in jeder Straße erleuchtet bleibt – dass also wenigstens einer außer ihr selbst noch wach ist. Und eines Nachts, es regnet stark, da fasst sie den Entschluss, bei einer solchen Wohnung zu klingeln. Während sie die Treppen hinaufsteigt, überlegt sie sich eine Erklärung für ihren nächtlichen Besuch, erfindet sich eine Art Forschungsprojekt, durch das sie – so erklärt sie – erkunden möchte, welche …